Drei Schuldsprüche im "Regina"-Prozess

25. Jänner 2002, 20:21
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Teilbedingte dreijährige Haftstrafen für zwei Manager - Urteile noch nicht rechtskräftig

Wiener Neustadt - Mit drei Schuldsprüchen für die ehemaligen Firmenmanager des im Jahr 2000 in Konkurs gegangenen Weikersdorfer Küchenherstellers Regina ist Freitagabend am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess um Untreue und betrügerische Krida zu Ende gegangen. Der Deutsche Manfred St. (59) und der Schweizer Lars Bertil St. (60) wurden zu je drei Jahren Freiheitsstrafe, davon zwei Jahr bedingt, verurteilt. Der Perchtoldsdorfer Peter B. (62) erhielt drei Monate bedingt.

Die Beschuldigten erbaten Bedenkzeit, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Die Urteile sind somit nicht rechtskräftig. Anträge auf Enthaftung wurden abgewiesen, Manfred St. und Lars St. bleiben wegen Fluchtgefahr in U-Haft, (seit Mai 2001, Anm.). In der Causa wird hinsichtlich anderer Fakten weiter ermittelt, es wird - im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Geldwäsche - ein zweites Verfahren geben.

Schadensausmaß herabgesetzt

Die mit der Sanierung von Regina nach der Insolvenz 1994 befassten ausländischen Manager der Schweizer Firma Emesco wurden gemäß der Anklage schuldig gesprochen. Allerdings wurde das durch die als "Management fees" titulierten Zahlungen von Regina an Emesco entstandene Schadensausmaß von 12 Mill. S auf "zumindest 5,5 Mill. S" herab gesetzt. Dem Privatbeteiligten - Erich Allinger als Masseverwalter der GmbH - wurden vom Gericht 7,8 Mill. S zugesprochen.

Peter B. wurde vom Vorwurf der Untreue freigesprochen, für sein grob fahrlässiges Handeln jedoch zu drei Monaten bedingter Haftstrafe verurteilt. Er sei zwar, wie aus dem Verfahren auch deutlich hervor gegangen war, nicht tatsächlich in die Entscheidungen eingebunden gewesen. Aber einen Geschäftsführer "am Papier" gebe es nicht, so Richter Kurt Weisgram in der Urteilsbegründung.

Wie Weisgram weiter ausführte, sei der Schöffensenat von jenem - knapp formulierten, rückdatierten - Managementvertrag ausgegangen, der die monatlichen Überweisungen von 75.000 Schweizer Franken (680.000 Schilling) von Regina an Emesco im Deliktszeitraum 1995 bis 1997 legitimierte. Da man die Managementleistungen des mit der Sanierung des Unternehmens befassten Manfred St. nicht unter den Teppich kehren wolle, wurden Beträge von der ursprünglichen Schadenssumme abgezogen. Emesco-Verwaltungsdirektor Lars Bertil St. wurde der Untreue und betrügerischen Krida als Beitragstäter schuldig gesprochen - mit dem Hinweis, als Aufsichtsratsvorsitzender der Regina Holding sehr wohl Einblick bzw. Verantwortung über die Vorgänge der Regina GmbH gehabt zu haben.

Unbescholtenheit

Mildernd wertete das Gericht die bisherige Unbescholtenheit der Angeklagten, erschwerend das Zusammentreffen zweier Verbrechen. Die bedingte Strafe sei angesichts des fortgeschrittenen Alters der Manager ausgesprochen worden.

In dem im November begonnenen Verfahren hatten sich die Verteidiger der Sanierungsspezialisten bis zuletzt bemüht, das Engagement ihrer Mandanten zur Rettung des Weikersdorfer Unternehmens aufzuzeigen und auch auf die in mehrstelliger Millionenhöhe erfolgten Investitionen in die marode GmbH hingewiesen. Die Überweisung der "fees" sei eingestellt worden, nachdem der Markt "eingebrochen" sei. Laut Gutachten hatte sich der Küchenhersteller - nach der Insolvenz 1994 - die monatlichen Überweisungen angesichts seiner angespannten Liquiditätslage nicht leisten können. (APA)

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