Soziales Gerangel um Einkaufswagerln

26. Jänner 2002, 13:02
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San Francisco will mit strengen Maßnahmen gegen Obdachlose das Problem mit ihnen lösen

San Francisco - Obdachlose in der als besonders liberal und tolerant geltenden Sonnenstaat-Stadt San Francisco sind in ständiger Angst um ihre we-nige Habe, wenn sie diese, wie üblich, in einem Einkaufswagerl mitführen: Die Stadt verfügt über eine spezielle "Shop- ping Cart Task Force", deren einzige Aufgabe das Einsammeln und die Aufbewahrung zweckentfremdeter Einkaufs- wagen ist. Rund 1000 Stück pro Monat. Eine Beschäftigung, die nicht nur umgerechnet 741.000 Euro (rund zehn Millionen Schilling) jährlich verschlingt, sondern auch ständig für Ärger sorgt.

Klage gegen Stadt

Denn nicht nur müssen die Habseligkeiten 90 Tage aufbewahrt werden, in manchen Fällen bekommt die Stadtverwaltung auch eine Klage an den Hals, wenn sie dabei Eigentum zerstört.

Das Obdachlosen-Problem ist nicht neu in der Stadt mit extrem hohen Wohnungskosten. Bürgermeister Willie Brown schreckte nicht davor zurück, dem Obdachlosen-Problem Mitschuld für den Einbruch im Tourismus nach den Terroranschlägen im vorigen September zuzuschreiben. Stadtregierungsmitglieder befürworten inzwischen ein Gesetz, das, wie in anderen US-Städten, für Betteln auf der Straße umgerechnet 570 Euro (rund 7800 Schilling) und sechs Monate Haft als Strafe vorsieht. Weitere Vorschläge rufen nach einer Telefonzentrale, wo Bürger Bettler anzeigen können, wenn diese ihre "Lebensqualität" infrage stellen; oder nach einem Schlafverbot im Freien.

Alternative gesucht

Für Maria Foscarinis ist das keine Lösung. Die Direktorin des "National Law Center on Homelessness and Poverty" in Washington bezeichnet San Francisco neben Atlanta und New York als eine der "inhumansten Städte der USA", was die Behandlung dieser Randgruppen betrifft. "Gesetze lösen das Problem nicht", sagt sie, "wir müssen eine Alternative für diese Leute schaffen."

Doch das hieße, dass die Stadt mehr Betten in Obdachlosenheimen und mehr öffentliche Toiletten zur Verfügung stellt. Eine Idee, die angesichts der schwächelnden US-Wirtschaft und geringerer Steuereinnahmen auf wenig Enthusiasmus stößt. (DER STANDARD, Printausgabe 26./27.01.2002)

STANDARD-Mitarbeiterin Rita Neubauer aus Palo Alto
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