Der Vorteil, prominent zu sein

25. Jänner 2002, 20:34
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Die neue Spitzenkandidatin der niederösterreichischen Grünen im STANDARD-Interview

Der Standard: Für Politiker von außerhalb hat sich Niederösterreich schon als rutschiges Pflaster entpuppt, man denke an Ex-Innenminister Karl Schlögl oder an Ewald Stadler. Wie werden Sie als Wienerin die Sache angehen?

Petrovic: Ich habe nicht vor, mich so zu gerieren, als hätte ich mein Leben lang rund um einen Dorfplatz verbracht. Aber ich glaube, dass es auch in Niederösterreich ein Potential an Leuten gibt, die so ungefähr leben wie ich, die in der Ostregion verankert sind.

Der Standard: Was verbindet Sie mit dem Bundesland selbst?

Petrovic: Ich habe ein Haus in Gloggnitz, an dem fährt die Bahn Richtung Semmering direkt vorbei. Womit wir bei einem konkreten Thema wären: Am Fuß des Semmerings wurde alles auf Basistunnel ausgebaut und der ist im Gesamtverkehrsplan für’s Erste nicht drin. Ich finde, man sollte Infrastruktur, die 100 Jahre halten soll, besser planen.

Der Standard: Wie wollen Sie im Wahlkampf die ländliche Bevölkerung ansprechen?

Petrovic: Indem ich gegen falsche Polarisierungen auftrete. Vor allem ÖVP und ihre Agrarverbände haben in der Vergangenheit die Parole ausgegeben, Tier- und Konsumentenschützerinnen seien die Feinde der Bauern. Mittlerweile, so glaube ich, herrscht in den Landregionen angesichts von BSE jedoch große Orientierungslosigkeit. Der Politik des Bauernbundes zum Trotz glauben immer weniger Landwirte, dass sie mit den Agroindustrien mithalten können.

Der Standard: Wie sieht Ihr Verhältnis zur doch sehr mächtigen Niederösterreichischen Volkspartei und zur Erwin Pröll aus?

Petrovic: Erwin Pröll ist nicht irgendwer in der ÖVP und diese hat sich zum Steigbügelhalter der blau-schwarzen Regierung gemacht. Das nehmen Pröll viele Stammwähler übel. Pröll hat dem Kärntner Landeshauptmann zwar hin und wieder eine leise Rüge erteilt. Aber wirklich die Dinge beim Namen genannt, dass hier mit Verfassungsinstitutionen ein verantwortungsloses Spiel getrieben wird, hat er nicht.

Der Standard: Auch Sie selbst sind prominent. Welche Vor- oder Nachteile wird das im Niederösterreichischen Wahlkampf bringen?

Petrovic: Das Wahlrecht in Niederösterreich hat seine Besonderheiten. Da gibt es einen Personen- und einen Parteistimmzettel und wenn man am Personenzettel Erwin Pröll und am Parteizettel die Grünen einträgt, so fällt die Stimme der VP zu. Dieser Umstand begünstigt Leute, die einen hohen Bekanntheitsgrad haben. Leute wie mich, die eine Wahl gewinnen wollen.

Der Standard: Welches Ergebnis erhoffen Sie?

Petrovic: Wir haben derzeit zwei Mandate und es wäre sehr schön, wenn wir das Resultat verdoppeln könnten. Dann hätten wir im Landtag Klubstärke, einem Landtag, in dem es 25 Prozent der Stimmen braucht, damit eine Dringliche Anfrage eingebracht werden kann und die Mehrheit entscheidet, ob sie darüber diskutieren will. Das ist das Landesfürstentum in Verfassungsrang, das gehört geändert.
(DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2002)

Vor zwei Wochen wurde Madeleine Petrovic als Spitzenkandidatin für die Niederösterreichischen Landtagswahlen 2003 nominiert. Im Gespräch mit Irene Brickner übt sie scharfe Kritik an "Landesfürstentum" und Mängeln in Wahlrecht und bei der Landtagsarbeit.
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