Voest Alpine auf Einkaufstour

27. Jänner 2002, 19:10
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Bis 2005 wird international ein Umsatz von bis zu 700 Millionen Euro zugekauft

Wien - Auch nach der soeben abgeschlossenen Übernahme des niederländischen Autozulieferers Polynorm für 180 Mio. Euro oder rund 2,5 Mrd. S - immerhin der größte Zukauf in der Unternehmensgeschichte - bleibt die Automotive-Sparte des Linzer Stahlkonzerns Voest Alpine auf Einkaufstour. Derzeit werde die Übernahme eines europäischen Engineering-Hauses mit 500 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen zwischen 50 und 100 Mio. Euro verhandelt, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Voestalpine, Wolfgang Eder, in Wien vor Journalisten. Geplant ist die Prototypen-Entwicklung von Karosserien für die Autoindustrie.

Künftige Autokarosserien würden zu je 20 Prozent aus Aluminium und Kunststoff und zu 60 Prozent aus Stahl gefertigt, sagte Eder. Durch die Polynorm-Übernahme sei nun die Alu- und Kunststoffseite abgedeckt. Im Stahlbereich bestünde bei den nötigen höchstfesten Qualitäten - trotz der allgemeinen Konjunkturflaute - aber noch enormer Bedarf auf dem Markt. Die Voestalpine könnte eine zusätzliche Million Tonne Stahl verkaufen. Heute werden in Linz 4,2 Millionen Tonnen Rohstahl erzeugt und vier Millionen Tonnen als Fertigprodukte verkauft.

Milliardeninvestition in Linz

Zur Kapazitätserweiterung soll im Frühjahr das Konzept "Linz 2010" abgesegnet werden, das Erweiterungsinvestitionen in Milliarden-Schilling-Höhe am oberösterreichischen Stahlstandort vorsieht. In den letzten fünf Jahren seien konzernweit zwischen 15 und 20 Mrd. S investiert worden. Um das Ziel in der Automotive-Sparte zu erreichen, bis 2005 den Umsatz von derzeit (inklusive Polynorm und Elmsteel) 600 Mio. Euro auf 1,5 Mrd. Euro zu heben, seien aber auch weitere internationale Zukäufe nötig. Eder nannte die Umsatzgrößenordnung von 600 bis 700 Mio. Euro (bis zu 9,63 Mrd. S), die über das eigene Wachstum hinaus mittels Akquisitionen zugekauft werde.

Insgesamt will der Stahlkonzern künftig bis zu 40 Prozent im Automobilbereich verdienen. Gereiht nach den größten Autozulieferern wäre die Voest Alpine Motion GmbH, wie die Sparte firmiert, im Karosseriebereich dann unter den ersten drei weltweit.

Obwohl von Analysten wegen der starken Kosten-Ertrag-Position als Topempfehlung gehandelt, entwickelt sich der Kurs der Stahlaktie unbefriedigend. Eder führt dies unter anderem auf den "hohen" Staatsanteil von 37 Prozent zurück. Finanzminister Karl-Heinz Grasser sieht aber derzeit keinen Bedarf, den Konzern bis auf einen Anteil von 25 Prozent herunter zu privatisieren. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 26.1.2002)

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