Wie Kataloge fast wertlos werden

25. Jänner 2002, 17:39
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Kunsthistorisches Museum: Die Grünen stellen unangenehme Fragen zu den Bilanzen

Wien - Im Sommer 2000 richteten die Sozialdemokraten eine Anfrage an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP), in der sie Auskünfte über das Kunsthistorische Museum (KHM) erbaten. Ihr Interesse galt u. a. der Abschlussbilanz 1998 über den privatwirtschaftlich geführten Bereich. Diese war von entscheidender Bedeutung, da das bis dahin nur "teilrechtsfähige" Museum seit 1. Jänner 1999 als ausgegliederte Anstalt öffentlichen Rechts geführt wird.

Aufgrund von Gerüchten, die in Wien die Runde gemacht hatten, stellten die SP auch die Frage, ob es stimme, dass der teilrechtsfähige Bereich per 31. Dezember 1998 "hoch verschuldet" gewesen sei. In ihrer Antwort wies Gehrer darauf hin, dass die Abschlussbilanz "einen Jahresgewinn von rund 2,5 Millionen Schilling" aufweise, eine Überschuldung also nicht gegeben gewesen sei.

Die Frage war vielleicht falsch gestellt. Sie hätte lauten sollen: Wie kam es, dass der teilrechtsfähige Bereich nicht hoch verschuldet war? Dies fragen sich die Grünen, denen erst jetzt die Abschlussbilanz 1998 und die Eröffnungsbilanz 1999 in die Hände gespielt wurden. Sie stellten fest, dass es bei den Shop-Produkten (Bücher, Postkarten, Nippes u. a.) quasi über Nacht zu einer eklatanten Wertminderung gekommen war - von 1,241 auf 0,878 Millionen Euro. Besonders ins Auge stach Kultursprecherin Eva Glawischnig die Abwertung der Ausstellungskataloge von 268.200 auf 69.700 Euro.

Die Grünen bringen daher eine Anfrage ein. Sie wollen von Gehrer wissen: "Wie erklären Sie die Wertminderung um gut fünf Millionen Schilling? Wurde der Wertansatz der Lagerbestände im Rechnungsabschluss 1998 oder in der Eröffnungsbilanz 1999 korrekt dargestellt? Erfolgte die Bewertung im Rechnungsabschluss 1998 nach Anschaffungskosten und unter Beachtung des strengen Niederst-

wertprinzips? Werden Sie rechtliche Schritte gegen die Wirtschaftsprüfungskanzlei oder gegen die verantwortliche Geschäftsführung im KHM unternehmen?"

Elisabeth Gehrer wie auch Direktor Wilfried Seipel waren für den Standard nicht erreichbar. Gabriele Zugay, im KHM für den Finanzbereich zuständig, erklärte die Wertminderung mit der Umstellung von der Kameralistik auf eine doppelte Buchführung.

Zudem nahmen die Grünen das Lipizzanermuseum, eine Tochter des KHM, unter die Lupe. Sie glauben, auf Verluste gestoßen zu sein, die geschickt kaschiert würden. Doch auch in diesem Fall widerspricht Zugay: Durch den Aufbau des Museums seien zwar hohe Investitionskosten angefallen, doch der notwendige Break even im operativen Geschäft würde erreicht. Zu- gay bestätigt, dass es keine Quersubventionen geben dürfe, weil das Lipizzanermuseum kein Bundesmuseum ist. Und sie merkt an, dass es keine Geldflüsse vom KHM ans Lipizzanermuseum gibt.

Insider bezweifeln indessen, dass das Lipizzanermuseum Gewinne macht: Bei der Gründung 1997 sei man von jährlich rund 150.000 Besuchern ausgegangen, tatsächlich aber wurden 2000 nur 66.500 Karten, im Vorjahr 73.400 Karten verkauft. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27. 1. 2002)

Von Thomas Trenkler
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