Tirol: Uni überdenkt Prüfverfahren

25. Jänner 2002, 16:21
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Teilerfolg für Erziehungswissenschaften

Innsbruck - Nach heftigen Protesten, auch von politischen Mandataren, hat nun der Innsbrucker Uni-Senat dem Institut für Erziehungswissenschaften ein "faires" Evaluierungsverfahren zugesichert. Einstimmig wurde beschlossen, dass eine inhaltliche Diskussion über die Entwicklung des Institutes erst dann geführt werden könne, "wenn alle Gutachten schriftlich vorliegen" und das Institut "die Möglichkeit zur Stellungnahme hatte".

Wie berichtet hatte die Erziehungswissenschaft - das größte Institut der Geisteswissenschaft - massiv die Vorgangsweise des Vizerektors für Evaluation, Peter Loidl, kritisiert. Loidl hatte zunächst vorgeschlagen, die weitere Entwicklung anhand eines negativen, vorerst aber nur mündlichen Berichts zweier Schweizer Pädagogen auszurichten, die eine grundlegende Umstrukturierung vorschlugen, sowie, zwei laufende Berufungsverfahren zu stoppen. Das zweite schriftliche positive Gutachten einer Pädagogin aus Magdeburg fand Loidl "nicht wirklich konkret". Nach Gesprächen mit Institutsangehörigen und einer großen Hörerversammlung hat Loidl dann noch vor der Senatssitzung diese Vorschläge modifiziert.

Gutachten rehabilitiert

Das Institut sieht den Senats-Entscheid, "angesichts der Ausgangslage" als Erfolg. "Das positive Gutachten ist rehabilitiert und es ist klargestellt, dass wir einzubeziehen sind", sagt Institutssprecher Bernhard Rathmayr. Umstritten bleibt jedoch die geplante Aussetzung der Berufungsverfahren, an der Rektor Hans Moser festhält. Moser will erst den Endbericht der Evaluation abwarten, "um nicht irreversible Fakten zu schaffen".

Rathmayr verweist darauf, dass beide Professuren - für Behinderten- und Integrationspädagogik sowie Erziehungswisenschaft der Generationen - seit vier bzw. zwei Jahren zugeteilt worden seien. Für letztere gebe es seit August einen Dreiervorschlag, ohne dass bisher mit jemand verhandelt worden sei. "Wir riskieren, im Herbst mit einer halben Professur dazustehen". Zudem seien die Kandidaten bei einer Sistierung zu informieren, weil ihnen einklagbarer Schaden entstehen könnte.

Nach der Grünen-Behindertensprecherin Theresia Haidlmayr hat auch der Vizepräsident des Tiroler Landtages, Ernst Pechlaner (SP), das Institut als "eines der Innovativsten" verteidigt und eine "unverzügliche" Besetzung der Professuren gefordert. (bs)
(DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2002)

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