Busek: Verkehrsanbindung an Ost-Nachbarn "total verschlafen"

25. Jänner 2002, 15:23
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EU-Beitrittsländer wirtschaftlich dynamischer als allgemein erwartet

Baden/Wien - Für den früheren Vizekanzler Erhard Busek, nunmehr Beauftragter für den EU-Stabilitätspakt für den Balkan, haben die österreichischen Regierungen im vergangenen Jahrzehnt die Verkehrsanbindung an die östlichen Nachbarländer "total verschlafen". Die Bahnverbindungen in deren Hauptstädte seien - mit Ausnahme jener nach Budapest - eine "Affenschande", er selbst sei an der "Lächerlichkeit einer Bahnverbindung Wien-Bratislava gescheitert", sagte Busek am Freitag bei einer der EU-Erweiterung gewidmeten Veranstaltung in Baden bei Wien. Eindringlich warnte der frühere Regierungsbeauftragte für die EU-Erweiterung davor, die künftigen EU-Länder wirtschaftlich zu unterschätzen.

Diese seien nicht arme Verwandte, die man alimentieren müsse, sondern "wenn sie später auch auf unseren Märkten auftauchen, starke Konkurrenten", meinte Busek. Slowenien habe, was den Wohlstand betreffe, bereits Portugal und Griechenland überholt, in Tschechien werde "die alte Industrieregion aus der Monarchie" sich zurückmelden. Speziell rund um Brünn und Budweis sei jetzt schon eine neue industrielle Dynamik entstanden, die auf das Mühlviertel, aber auch auf das niederösterreichische Waldviertel eine starke "Sogwirkung" ausüben werde. "Hier ist in den nächsten Jahren eine aktive Regionalpolitik dringend gefordert", verlangte der frühere VP-Obmann.

Karawanken-Riegel

Keine Sorge wie für die an Tschechien angrenzenden Gebiete habe er um das Burgenland und die Südsteiermark, wo man sich bisher recht gut auf die künftige Situation vorbereitet habe. In Kärnten bildeten allein die Karawanken einen gewissen "Riegel" gegen eine allzustarke Konkurrenzsituation gegenüber Slowenien.

Generell habe Österreich bisher von der Ostöffnung allerdings am meisten von allen EU-Ländern profitiert, unterstrich Busek, der auf die Spitzenstellung österreichischer Investoren in den östlichen und südlichen Nachbarländern hinwies. Dies habe beispielsweise in Slowenien zu ähnlichen Befürchtungen geführt, wie sie vor dem EU-Beitritt Österreichs gegenüber Deutschland verbreitet gewesen seien. "Die haben Angst, wir kaufen alles auf. Wir sind es nicht gewohnt, aber die Slowenen sehen uns manchmal etwas zu sehr als wirtschaftliche 'Supermacht'."

Die Österreicher selbst sehen die EU-Erweiterung hauptsächlich aus der pragmatischen Sicht, beschrieb Busek Erfahrungen aus seiner Zeit als Erweiterungsbeauftragter. "Die Leute interessiert es nicht so sehr, ob es überhaupt zur Erweiterung kommt, damit rechnen sie ohnedies." Die Fragen bezögen sich eher darauf, "wie man sich auf diese Situation vorbereiten soll". (APA)

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