Massenproteste in Madagaskar gehen weiter

29. Jänner 2002, 15:43
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Zweiter Tag des Generalstreiks: Regierung sagt Oppositionskandidaten Rundfunkansprache und Pluralismus in den Medien zu

Antananarivo - Am zweiten Tag des Generalstreiks auf Madagaskar haben Hunderttausende Demonstranten Augenzeugen zufolge versucht, die Kontrolle über das Gebäude des staatlichen Fernsehens in der Hauptstadt Antananarivo zu bekommen. Unterhändler der Demonstranten hätten versucht, Soldaten und Polizisten davon zu überzeugen, ihnen friedlich das Gebäude zu überlassen. Es blieb aber zunächst unklar, ob die Demonstranten ihr Ziel erreichten. Eine zweite Gruppe Demonstranten marschierte auf das Gebäude des Staatsradios zu.

Der oppositionelle Präsidentschaftskandidat Marc Ravalomanana hatte zu dem Streik aufgerufen, um Präsident Didier Ratsiraka zum Rücktritt zu bewegen. Er hatte Ratsiraka Fälschung der Wahlergebnisse im Dezember vorgeworfen.

Augenzeugen berichteten von 750.000 bis zu eine Million Menschen, die sich den Protesten gegen die Regierung angeschlossen hatten. Geschäfte blieben geschlossen, der öffentliche Verkehr kam zum Erliegen. Auch der Betrieb auf dem größten Flughafen der Stadt wurde unterbrochen.

Ratsiraka, in dem viele den "Vater der Nation" sehen, ist seit über zwei Jahrzehnten an der Macht. Bei der Wahl im Dezember hatte Ratsiraka nach dem offiziellen Ergebnis sechs Prozent mehr als Ravalomanana erhalten, war jedoch nicht über die für einen Sieg im ersten Wahlgang erforderliche 50-Prozentmarke hinausgekommen. Für den 24. Februar ist eine zweiter Wahlgang geplant.

Demonstranten räumen Rundfunkgebäude

Einige Demonstranten besetzten die Gebäude des staatlichen Fernsehens und Rundfunks. Die Regierung sagte nach Angaben der Demonstranten dem oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Marc Ravalomanana eine Rundfunkansprache zu, woraufhin dessen Anhänger die Gebäude des Rundfunks in der Hauptstadt Antananarivo wieder räumten. Ravalomanana hatte dort mit Vertretern des Senders über eine friedliche Übergabe der Station verhandelt. Neben der Zusage für eine Ansprache an die Nation sagte die Regierung den Demonstranten zufolge zu, im Fernsehen und Radio Pluralismus zu respektieren.

Der Geschäftsmann und Millionär Ravalomanana fordert eine Nachzählung der Stimmen der Dezemberwahl und einen Ausschluss des Amtsinhabers Didier Ratsiraka von der Wahl. Ravalomanana ist auch Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo. Die öffentlichen Verkehrsbetriebe stellten den zweiten Tag in Folge ihren Dienst ein, Geschäfte und der wichtigste Flughafen blieben geschlossen. (APA/Reuters)

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