Grazer Uni schlägt Alarm: Personalmangel gefährdet Sowi-Studien

25. Jänner 2002, 14:44
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Pro Lehrendem 95 Studierende - Zechlin: "Bestehen auf Gleichstellung mit übrigen österreichischen Sowi-Fakultäten"

Graz - Nach der Grazer Rechtswissenschaftlichen Fakultät schlägt nun auch die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche (Sowi) Fakultät der Universität Alarm im Hinblick auf die prekäre Personalsituation: Laut Sowi-Studiendekan Lutz Beinsen gibt es zu wenig wissenschaftliches Personal, um das Lehrangebot im notwendigen Ausmaß weiter anbieten zu können: "Mit dem zur Verfügung stehenden Personal können wir die Lehre nicht mehr im ausreichenden Maß und verantwortungsbewusst anbieten", erklärte Beinsen am Freitag.

Mit 95 Studierenden pro Lehrendem bildet der Grazer Sowi-Standort das österreichweite Schlusslicht in puncto Personalausstattung. An den anderen Sowi-Fakultäten Österreichs halte das Betreuungsverhältnis durchschnittlich bei 68 Hörern pro Lehrendem. Die 84 Wissenschafter für rund 5.000 Studierende würden laut Hochschulbericht 1999 in etwa die Hälfte an Lehrenden des österreichweiten Durchschnitts in diesem Universitätsbereich ausmachen. Um das heimische Niveau zu gewährleisten, müsste der Personalstand daher "um 40 Prozent angehoben" werden, sonst stehe für das kommende Wintersemester das Szenario "Kein Studienbetrieb für Neuzugänge der Studienrichtung Betriebswirtschaftslehre (BWL)" in Aussicht, hieß es.

"Der Hilferuf ist verständlich"

Unterstützung findet die Forderung der Fakultät im Rektor der Grazer Universität, Lothar Zechlin: Der Vergleich mit den übrigen Sowi-Fakultäten Österreichs belege die schlechte Ausstattung der Grazer Fakultät, so der Rektor. "Der Hilferuf ist verständlich", erklärte Zechlin. Die Lehrenden seien nachweislich um 75 Prozent mehr belastet als an den vergleichbaren österreichischen Fakultäten. Um den gravierendsten Notstand zu beheben, wurden universitätsintern bereits eineindrittel Assistentenstellen umgeschichtet. Zwar wurde eine vom Wissenschaftsministerium zusätzlich bewilligte Assistentenstelle zugewiesen, der Rektor verlangt allerdings -" im Sinne einer Sicherstellung des offenen Hochschulzuganges" - weitere Finanzmittel.

Ein seitens der Fakultät entwickeltes Kapazitätsanpassungsprojekt, das weitere 34 Planstellen vorsieht, um die durchschnittliche Betreuungsrelationen herzustellen, hat die Universität bereits zwei Mal dem Ministerium vorgelegt. Verhandlungen seien allerdings nicht erfolgt. "Wir bestehen auf eine Gleichstellung mit den übrigen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften", so Zechlin. Er fordert für die Vergabe von Ressourcen ein indikatorengestütztes Modell, d.h. eine Bereitstellung von Geldmitteln nach der Anzahl von Studienanfänger und Absolventen, fordert. Nur so könne zukünftig die extrem ungleiche Verteilung abgebaut werden, so Zechlin. (APA)

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