For Sale: Hercules C-130K , Baujahr '75

25. Jänner 2002, 16:41
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Österreichisches Bundesheer will bei britischem Sonder-Angebot zuschlagen

Wien - Transportmaschinen stehen schon lange auf der Wunschliste des Verteidigungsministeriums. Ein Anfang des Jahres von Großbritannien unterbreitetes Angebot könnte hier nun Abhilfe schaffen, hoffen die Heeres-Flieger. Die Briten wollen aus den Beständen der "Royal Air Force" (RAF) drei rund 25 Jahre alte, aber generalüberholte Maschinen vom Typ C-130K "Hercules" verkaufen. Als Preis werden rund 33 Millionen Euro (454 Mill. S) genannt. Nach der Überholung könnten die viermotorigen Propellermaschinen zumindest 20 Jahre im Einsatz stehen, so Brigadier Erich Wolf von der Luftabteilung des Verteidigungsministeriums am Freitag gegenüber der APA.

Das Angebot ist von britischer Seite ausgegangen, nachdem dort entsprechende Überlegungen Österreichs bekannt geworden seien. Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) hat dann den Auftrag gegeben, eine Prüfung einzuleiten. Anfang Jänner war eine britische Delegation in Wien, um die Details zu präsentieren. Anfang Februar wiederum soll eine österreichische Delegation nach Großbritannien fahren. Eine Entscheidung über den Ankauf könnte dann im Februar fallen. Wolf weiter: "Im optimalen Fall könnte die erste C-130 mit österreichischer Crew am 1.1.2003 den ersten Auftrag fliegen." Die Lieferung der weiteren Maschinen würde im Lauf des kommenden Jahres erfolgen. Zur Finanzierung verwies Scheibner auf eine Beschlusslage der Regierung im Rahmen des Anti-Terror-Pakets und der europäischen Einsatzkräfte.

Die Ausbildung von Piloten und Technikern ist in dem britischen Angebot enthalten. Auch für die weitere Wartung würden bei dem Unternehmen "Marshall Aerospace" in Cambridge, das auch die Überholung durchführen würde, Konditionen angeboten, wie sie auch die RAF erhalte.

Keine Lösung wären die "Hercules"-Maschinen freilich für das kurzfristige Transportprobleme des Heeres. Vor allem zur Versorgung des Kontingents im Kosovo ist derzeit eine spanische Casa CN 35-300, die von österreichischen Piloten geflogen wird, angemietet. Der Mietvertrag läuft aber Ende März aus. Für den Fall, dass der Hercules-Deal zu Stande kommt, würde als Ersatz eine Ausschreibung für Transportkapazität erfolgen. Diese Ausschreibung würde dann auch die Crews umfassen, weil die eigenen Piloten bereits ab Jahresmitte in England ausgebildet würden.

Die Frage der Transportkapazität ist zuletzt im Rahmen der Debatte um die europäische Eingreiftruppe diskutiert worden. Europaweit besteht in diesem Bereich ein Mangel. Deutlich geworden ist dies auch bei der Vorbereitung des internationalen Afghanistan-Friedenseinsatzes, so Wolf. Deutschland etwa verfüge lediglich über Transall-Transporter. Diese seien zu klein und hätten eine zu geringe Reichweite. Für die Verlegung des deutschen Kontingents - und die dort integrierten österreichischen Soldaten - müsse daher auf die Niederlande zurück gegriffen werde. Wolf: "Hätten wir die Hercules schon, könnten wir unsere Soldaten selbst fliegen und auch den Deutschen noch Transportkapazität anbieten."

Wichtiger sei eigene Lufttransport-Kapazität aber im Notfall, wenn etwa eine Evakuierung eigener Truppen aus einem Krisengebiet nötig sein sollte. Aber auch österreichisches Botschaftspersonal könnte so rasch aus einem Land heraus gebracht werden.

Die C-130 wurde erstmals Mitte der fünfziger Jahre gebaut. Nach Angaben des Produzenten Lockheed-Martin wurden weltweit bisher 2.200 Stück ausgeliefert, von denen 1.600 in mehr als 65 Staaten noch im Einsatz seien. Die von den Briten nun angebotenen Maschinen könnten wahlweise bis zu 92 Personen oder bis zu 25 Tonnen Fracht transportieren. In einem für Österreich relevanten Operationsradius von rund 3.000 Kilometer könnten rund 20 Tonnen transportiert werden, so Wolf.

In Großbritannien werden 25 Hercules außer Betrieb genommen, weil teils auf die größere C-17 (USA), teils auf das künftige europäische Projekt Airbus A400M umgestiegen werden soll. Rund 25 C-130 einer neueren Version seien aber auch auf der Insel weiter im Einsatz.

Ein ähnliches Angebot - ebenfalls für britische Maschinen - liegt auch vom Produzenten Lockheed-Martin direkt vor. Im Verteidigungsministerium würde aber dem britischen Offert der Vorzug gegeben, weil es sich um ein Geschäft zwischen den Regierungen handeln würde. Auch würden Überholung und Ausbildung in Europa erfolgen.

SPÖ warnt vor Ankauf von "Uraltprodukten"

SPÖ-Wehrsprecher Anton Gaal hat am Freitag vor dem Ankauf von "Uraltprodukten" für das Bundesheer gewarnt. Die 25 Jahre alten Transport-Maschinen vom Typ C-130K "Hercules", die dem österreichischen Bundesheer von Großbritannien angeboten wurden, wären bereits von den meisten Staaten aus ihren Heeresbeständen ausgeschieden worden, weil sie noch immer mit einer Fünf-Mann-Besatzung geflogen werden müssten, so Gaal in einer Aussendung.

"Anstatt High Tech dem österreichischen Bundesheer zuzuführen, ist die Gefahr sehr groß, überholtes Material anzukaufen", meinte Gaal. Nach vorliegenden Berichten wolle das Verteidigungsministerium überdies "nur einen Beschaffungsvorgang durchführen, ohne dementsprechende Vorteile für die österreichische Wirtschaft zu lukrieren". Vor der Abwicklung des Geschäfts wären auf parlamentarischer Ebene jedenfalls noch viele Fragen zu klären. (APA)

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