Wien ist anders

25. Jänner 2002, 13:23
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ATX hat sich laut Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB in Kursperformance von internationalen Leitbörsen abgekoppelt

Wien - Der Wiener Leitindex ATX hat sich in seiner Kursperformance von seinen internationalen Pendants weiter abgekoppelt. Das geht aus dem Finanzmarktstabilitätsbericht der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) für Dezember 2001 hervor. Die geringe Liquidität des Wiener Marktes dürfte die Nachfrage nach österreichischen Aktien gedämpft und eine schwache Kursentwicklung wesentlich mitverursacht haben. Damit haben sich die internationalen Kursschwankungen aber auch vergleichsweise schwach auf die Wiener Börse übertragen, so die OeNB.

Geringere Korrelation des ATX

Für die OeNB kommt das in der deutlich geringeren Korrelation des ATX zu wichtigen ausländischen Aktienindizes zum Ausdruck. In der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre hat sich die Korrelation des ATX zu ausländischen Aktienindizes sogar weiter verringert. Während andere Börsenplätze untereinander eine Korrelation von mehr als 0,9 aufweisen, beträgt jene der Wiener Börse zu anderen Börsenplätzen nur bis zu 0,6. Der Korrelationskoeffizient misst den statistischen Zusammenhang zweier Indizes und reicht von minus eins für eine exakt gegensätzliche Entwicklung bis eins für identische Kursverläufe.

Der Erste Bank-Analyse Ralf Burchert hat gleich mehrere Erklärungen für die Abkopplung des ATX von internationalen Leitindizes parat. Zum einem habe es in Wien eine Reihe von Sondersituationen bei Indexschwergewichten gegeben, die sich stark auf die ATX-Entwicklung und die Korrelationen ausgewirkt haben. Als Beispiel führt Burchert den kräftigen Kursanstieg der Austria Tabak (AT) vor dem Verkauf an die britische Gallaher oder die von Privatisierungsfantasie getriebene Telekom Austria (TA) an. Bei Verbund und EVN wurden die Überkreuzbeteiligungen aufgelöst und die Erste Bank habe stark von der Ostexpansion profitiert, nennt Burchert weitere Beispiele.

Investoren orientieren sich seit Euro stärker an Branchen

Zudem würden sich Investoren seit der Euro-Einführung 1999 viel stärker an Branchenbetrachtungen als an regionalen Märkten orientieren. So können heimische Aktien durchaus internationale Branchentrends nachvollziehen, da der ATX aber in seiner Branchengewichtung stark von anderen Indizes abweicht, ist die Korrelation niedrig. So ist etwa der deutsche DAX viel technologielastiger als das Wiener Börsenbarometer. "Wir haben eine entschieden andere Indexgewichtung als internationale Indizes, das hat sicher eine Abkopplung bewirkt". (APA)

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