"... das hat nichts mit Antiamerikanismus zu tun"

28. Jänner 2002, 20:45
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Günter Grass verlangt "kritischeres Verhältnis" gegenüber den USA

Berlin - Der Schriftsteller Günter Grass hat von den Europäern ein "kritischeres Verhältnis" gegenüber den USA verlangt. Es reiche nicht aus, Terrorismus allein mit kriegerischen Mitteln zu bekämpfen, sagte er am Donnerstagabend in Berlin. Das vereinigte Europa müsse im Widerstreit mit der Großmacht Amerika eine neue Rolle spielen. "Das hat nichts mit Antiamerikanismus zu tun", sagte Grass. Er warnte davor, bei der geplanten EU-Erweiterung die "Ängste auf beiden Seiten zu unterschätzen". Die Deutschen besonders in den ostdeutschen Ländern fürchteten seiner Meinung nach am meisten einen Arbeitsplatzverlust. Polens kleine Landwirtschaftsbetriebe hätten es bei der Brüsseler Agrarpolitik schwer, weiter zu existieren.

Der Literatur-Nobelpreisträger beteiligte sich an einer Debatte über die EU-Osterweiterung, zu der die Akademie der Künste deutsche und polnische Intellektuelle eingeladen hatte. Noch nie in der deutsch-polnischen Geschichte sei das Verhältnis zwischen beiden Ländern so gut gewesen wie heute, meinte der Warschauer Historiker und Publizist Adam Michnik. Nachdem viele Generationen im Hass auf Deutschland erzogen wurden, seien die heute zu beobachtenden Beziehungen ein "Wunder".

Der ehemalige Außenminister und Autor Wladyslaw Bartoszewski betonte, dass im Verhältnis zwischen Polen und Deutschen "viel mehr Verbindendes als Trennendes" existiere. Die geringsten Unterschiede sehe er zwischen Polen und den Menschen aus der früheren DDR. "Beide lebten auf eine Weise, die sie nicht gewählt hatten", sagte der Autor. (APA/dpa)

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