Erstmals Fuchsbandwurm bei Tieren im Burgenland diagnostiziert

25. Jänner 2002, 11:27
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Parasiten können bei Übertragung auf den Menschen zu schweren Erkrankungen führen

Eisenstadt - In den vier burgenländischen Bezirken Eisenstadt, Neusiedl am See, Oberpullendorf und Oberwart sind erstmals Fuchsbandwurm-Fälle diagnostiziert worden. In den Bezirken Mattersburg, Güssing und Jennersdorf sind die Tiere hingegen gesund. Das ergab laut Agrarlandesrat Paul Rittsteuer (V) eine in den Jahren 1999 und 2000 durchgeführte Untersuchung von 572 Exemplaren. Bei einem Test an 150 Füchsen im Jahr 1991 war der gefährliche Krankheitserreger noch nicht aufgetreten.

Der Fuchsbandwurm kann auf den Menschen übertragen werden und zu schweren Erkrankungen bis hin zum Tod führen. Rittsteuer, der auch für die Jagdagenden zuständig ist, hat mit rund 14.700 Euro Forschungsarbeiten der Universität Wien auf diesem Gebiet finanziell unterstützt. "Unsere Jäger und Waldarbeiter, sowie die Erholungssuchenden müssen geschützt werden, deshalb war es für mich selbstverständlich, hier meinen Beitrag zu leisten", so Rittsteuer.

Mit dem tatsächlichen Verbreitungsgrad des Fuchsbandwurmes im Burgenland beschäftigen sich auch zwei an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien verfasste Dissertationen. Sie wurden nun der Jägerschaft, die zu den besonders gefährdeten Personen zählen, aber auch allen Waldbesuchern, die Pilze oder Beeren sammeln und verzehren, zugänglich gemacht.

Der Fuchsbandwurm, ein Darmparasit, kann über verschiedene Wege wie etwa den Kontakt mit Füchsen, Hunden, Katzen oder durch den Verzehr von Wildfrüchten, Beeren und Pilzen auf den Menschen übertragen werden. Im Bezirk Eisenstadt-Umgebung lag mit 18 Prozent die höchste Prävalenz von Echinococcus multilocularis, wie die Parasiten genannt werden, vor. Oberpullendorf und Neusiedl folgen mit 12,8 und 8,7 Prozent. Oberwart gilt mit 2,2 Prozent nur als gering belastet.

Der erwachsene Fuchsbandwurm lebt im Darm des Endwirtes (Fuchs, gelegentlich auch Hund und Katze). Die mikroskopisch kleinen Eier gelangen über den Kot an die Außenwelt. Hier können sie an kühlen, feuchten und schattigen Stellen monatelang infektionsfähig bleiben. Die Zwischenwirte - verschiedene Mausarten oder etwa Bisamratten - nehmen die Eier mit der Nahrung auf. In der Leber der Tiere bilden sich Larvenstadien, sogenannte Bandwurmfinnen aus, die sich im Lebergewebe verzweigen und tumorähnlich wachsen.

In kleinen Bläschen bilden sich zahlreiche Bandwurmköpfchen, die nach dem Verzehr des Zwischenwirtes durch den Endwirt in dessen Dünndarm innerhalb von fünf Wochen zu erwachsenen Bandwürmern heranreifen und wieder Eier bilden können. Der Mensch kann sich durch Schmutz- und Schmierinfektion (etwa beim Umgang mit befallenen Endwirten - Füchsen - oder mit Fuchsbandwurmeiern kontaminierter Erde) oder durch den Verzehr kontaminierter Waldbeeren, Pilze, Salate, Fallobst und dergleichen mehr infizieren.

In der Leber, selten in anderen Organen des Menschen, entwickeln sich Finnen, die das gesamte Organ durchwuchern. Die Infektion kann viele Jahre unerkannt bleiben, beim Auftreten der ersten klinischen Symptome ist eine zur Heilung führende Behandlung oft nicht mehr möglich. Wird die Krankheit aber in einem frühen Stadium diagnostiziert kann sie erfolgreich behandelt werden.

"Gerade hier im Burgenland wäre es zielführend, weitere Untersuchungen an Rotfüchsen, vor allem in jenen Bezirken in denen der Fuchsbandwurm festgestellt wurde, auch in den kommenden Monaten durchzuführen", so Veterinärdirektorin Dr. Liselotte Pöltzlbauer. (APA)

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