Microsoft wirft AOL Zurückhaltung wichtiger Dokumente vor

26. Jänner 2002, 11:46
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"Unkooperatives Verhalten" und Unterstützung der klagenden Bundesstaaten vorgehalten

Im Rechtsstreit mit AOL Time Warner hat der Softwareriese Microsoft dem klagenden Medienkonzern vorgeworfen, wichtige Dokumente zurückzuhalten. Darin sei aufgeführt, wie AOL die neun US-Staaten unterstützt habe, die auf schärfere kartellrechtliche Strafen gegen den weltweit größten Software-Hersteller drängen, teilte Microsoft am Donnerstag mit. In der am Dienstag eingereichten Klageschrift habe AOL es versäumt, seine Kontakte zu den neun Bundesstaaten offen zu legen.

Widerspruch

"AOL kann nicht beides haben", sagte Microsoft-Sprecher Jim Dresler. Das unkooperative Verhalten von AOL in Bezug auf die Herausgabe von Dokumenten stehe in krassem Widerspruch zu seinen Verbindungen hinter den Kulissen zu den Staaten, die den Streit mit Microsoft nicht beilegen wollten, sagte Dresler.

AOL hinterlegte bei Gericht den Angaben zufolge bisher 851 Seiten an Dokumenten. Microsoft beantragte bei dem zuständigen Gericht, von AOL die Aushändigung weiterer Unterlagen zu verlangen. Darüber hinaus solle das Gericht alle von AOL benannten Zeugen von der Aussage ausschließen. Ein AOL-Sprecher war zunächst nicht zu einem Kommentar bereit, kündigte aber an, dass das Unternehmen später Stellung beziehen werde.

Schadensersatzklage

Im Streit um den einst marktführenden Internet-Browser Netscape hatte AOL den Software-Riesen am Dienstag auf Schadenersatz verklagt. AOL wirft Microsoft vor, den Browser der 1999 von AOL gekauften Firma Netscape mit unfairen Mitteln verdrängt und dabei gegen das Kartellgesetz verstoßen zu haben.

In seiner Klage verlangt AOL, Microsoft für die Zukunft wettbewerbswidriges Verhalten zu untersagen. Außerdem will AOL für entgangene Umsätze im Geschäft mit Browser-Lizenzen und verlorene Marktanteile Schadenersatz in einer vom Gericht zu bestimmenden Höhe.

Vergleich

Im Kartellverfahren der US-Regierung gegen Microsoft hatte sich das Justizministerium mit dem Konzern auf einen Vergleich geeinigt. Dem hatten sich lediglich neun der 18 ebenfalls klagenden US-Bundesstaaten angeschlossen.

Die restlichen neun Staaten verweigern sich bislang dem Kompromiss und fordern strengere Sanktionen gegen Microsoft. (APA/Reuters)

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