Auf dem Weg zur neuen Behandlung für manische Depression

25. Jänner 2002, 09:39
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Beteiligte Gene lokalisiert

Bonn - Bei der Suche nach den genetischen Ursachen der manischen Depression können deutsche Wissenschafter einen ersten Erfolg verbuchen: Forschern der Universität Bonn gelang es jetzt, jene Erbanlagen zu lokalisieren, die die so genannte bipolare affektive Störung mit auslösen. Sollte es nun gelingen, die verantwortlichen Gene exakt zu identifizieren, könnten daraus neue Behandlungsverfahren entwickelt werden, wie der Humangenetiker Peter Propping betont.

Etwa ein Prozent aller Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer manischen Depression: Tiefe Niedergeschlagenheit wechselt sich ab mit Phasen unbändigen Tatendrangs, euphorischer Stimmung, fehlenden Schlafbedürfnisses und übersteigerten Selbstbewusstseins. Patienten fühlen sich in der manischen Phase extrem gut. Sie fallen durch eine unbegründet heitere und optimistische Grundstimmung auf - um in der depressiven Phase wieder in ein finsteres Loch zu fallen.

Unbekannte Ursachen

Die Ursachen dieser Krankheit sind bislang noch unbekannt. Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Behandlung. Viele der Patienten sind extrem selbstmordgefährdet. Inzwischen weiß die Medizin zumindest, dass genetische Faktoren zur Entwicklung der manischen Depression beitragen. Zwillingsstudien ergaben, dass Träger der entsprechenden Erbanlagen mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 bis 80 Prozent an der bipolaren affektiven Störung erkranken.

"Wir haben daher vor zwölf Jahren damit begonnen, nach den beteiligten Genen zu suchen", berichtet Propping. Der Genetiker hat mit seinem Team und Mitarbeitern mehrerer Nervenkliniken insgesamt 75 Familien mit insgesamt 445 Personen untersucht - 275 von ihnen waren manisch-depressiv. Bei Geschwistern, die unter der Krankheit leiden, untersuchten die Forscher, an welchen Stellen sich auf ihren Chromosomen die Erbinformationen besonders stark ähneln.

Das Gen in der Nähe

Dazu nahmen sie 400 kurze Genom-Abschnitte unter die Lupe, und entdeckten unter ihnen tatsächlich einige, die bei den kranken Geschwistern besonders häufig identisch waren. In ihrer Nähe könnte sich also ein Gen befinden, das zum Ausbruch der Krankheit beiträgt, vermuten die Wissenschafter. Besonders verdächtig erscheinen ihnen zwei Abschnitte auf dem langen Arm von Chromosom 8 sowie auf Chromosom 10. Beide bestehen aber noch aus vielen Millionen Informationen, die erst noch genauer identifiziert werden müssen.

"Als nächsten Schritt planen wir daher, uns mit anderen Methoden noch weiter an das mögliche Gen heranzutasten", betont Propping. Der Professor vergleicht seine Arbeit mit dem Bewohner eines fremden Planeten, der versucht, mit dem Fernrohr auf der Erde die Stadt Bonn zu finden. "Inzwischen weiß er immerhin, dass er in Deutschland suchen muss - aber immer noch nicht, ob im Rheinland oder in der schwäbischen Alb." (AP)

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