Praämbel als "Mahnmal"

24. Jänner 2002, 21:04
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Rabinovici: "Immer mehr Leute geben uns Recht: mit dieser Regierung kein Staat zu machen" - Dohnal: Geburtstag wird würdig begangen - 500 bis 1.000 Teilnehmer

Wien - Geburtstag feierte diese Woche die "Donnerstags-Demo": rund eine Woche vor dem Zwei-Jahres-Tag der schwarz-blauen Koalition formierten sich auch diese Woche Regierungsgegner ab 19 Uhr auf dem Wiener Ballhausplatz, um ihren wöchentlichen Protestmarsch durch Wien zu starten. Gegen 20 Uhr, als sich der Zug in Richtung ÖVP-Zentrale zu bewegen begann, hatten sich nach Angaben der Polizei rund 500 Demonstranten eingefunden. Die Organisatoren sprachen von 1.500 - "und es werden noch mehr".

An der ÖVP-Zentrale wollten die Kritiker von schwarz-blau die Präambel anschlagen und dies als "Mahnmal" verstanden wissen. Allerdings hatte die Polizei das Gebäude vorsorglich abgeriegelt, was gegen 20.15 Uhr zu einem Pfeif-Konzert führte. Die Demonstranten brachten darauf die Präambel kurzerhand auf einem Einbahnschild an. Danach soll es über Zweier-Linie und Ring zur FPÖ-Zentrale und weiter über Schweden- und Judenplatz wieder zurück zum Ballhausplatz gehen.

Die Transparente zollten an diesem Donnerstag dem Anlass Tribut: "Zum 100. Mal nein zu schwarz-blau, müssen wir es noch hundert mal sagen", war etwa zu lesen. Ein anderes forderte in Anspielung an den schwelenden Konflikt mit Tschechien auf, "Trinkt tschechisches Bier", ein weiteres verkündete schlicht "Mein Lieblingstag ist Donnerstag".

Der Schriftsteller Doron Rabinovici sagte, "immer mehr Leute geben uns Recht: mit dieser Regierung ist kein Staat zu machen". Solche Stimmen kämen mittlerweile auch aus der Industriellenvereinigung und Teilen der ÖVP. Und wenn das sogar schon in der "bürgerlichen Presse" stehe, "zeigt das, dass es richtig war, hundert Mal hier zu sein und weiter zu machen". Er betonte zudem, es sei nicht wichtig, wie viele sich Woche für Woche am Ballhausplatz einfänden, wichtig sei nur "die Kontinuität".

Die ehemalige Frauenministerin Johanna Dohnal (SP) sprach von einer Stimmung, die "super" sei. Der Geburtstag werde "würdig begangen" - "und es geht weiter, jetzt bin ich sicher". (APA)

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