Bulgarien will AKW Kozloduj abschalten

24. Jänner 2002, 19:52
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Heftige Kritik an Premier Simeon

Bukarest - Tschechien lässt sein Atomkraftwerk ans Netz gehen und nimmt dafür massiven Ärger mit Österreich in Kauf. Bulgarien will hingegen aus der Atomenergie aussteigen - und stößt ebenfalls auf harsche Kritik.

Premierminister Simeon Sakskoburggotski hatte am Dienstag überraschend angekündigt, die Blöcke drei und vier des sechsblöckigen Atomkraftwerks in Kozloduj an der Donau "wahrscheinlich 2006" abschalten zu wollen. Die ersten beiden Blöcke sollen nach einer Vereinbarung mit der EU ohnehin bereits 2003 vom Netz gehen.

Die Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart, deren älteste Blöcke aus dem Jahr 1969 stammen, gelten als gefährlich. Für die Abschaltung soll Bulgarien von der EU 200 Millionen Euro (2,75 Mrd. Schilling) erhalten.

Der - wie es allgemein heißt - "vorzeitige" Ausstieg stößt vor allem in Bulgarien selbst auf heftige Kritik. Die Opposition verlangt dringend Parteiengespräche und bezweifelt das Recht des Premiers, ohne das Parlament zu entscheiden.

Simeon machte die Entscheidung im Anschluss an ein Gespräch mit seinem griechischen Amtskollegen Kostas Simitis publik. Simitis begrüßte den Entschluss.

Russland bestürzt

Ein anderer Nachbar dagegen, Russland, reagierte bestürzt. Gerade habe man dem bulgarischen Wirtschaftsminister Nikolaj Wassilew in Moskau versichert, dass man Bulgarien mit allen technischen Mitteln ausstatten werde, um die Laufzeit von Kozloduj sogar noch zu verlängern, erklärte ein Beamter des Energieministeriums in Moskau. Die Schließung sei "unzeitig und technisch nicht gerechtfertigt", sagte der russische Nuklearsicherheitsbeauftragte Emil Wapirew. Die Anlagen könnten 50 oder 60 Jahre in Betrieb bleiben. (DER STANDARD, Print, 25.1.2002)

STANDARD-Korrespondent Norbert Mappes-Niediek
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