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24. Jänner 2002, 16:34
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Frächter-Netzwerk - Für Staatsanwalt ist Kopf in Haft - TM Festnahme Donnerstagvormittag in Luxemburg - Ermittler: "Es muss von einer Firmeneinheit ausgegangen werden"

Wien (APA) - Im Frächterskandal rund um eine im westlichen Niederösterreich ansässige Unternehmensgruppe dürfte der mutmaßliche Kopf gefasst sein. Wie der Leitende Staatsanwaltschaft am Landgericht München II, Rüdiger Hödl, am Donnerstagnachmittag gegenüber der APA bestätigte, wurde "am 24. Jänner um 10.00 Uhr in Luxemburg der Hauptverantwortliche der international tätigen Transportfirma" von der Polizei verhaftet.

Ob der Spediteur in den nächsten Tagen nach Deutschland ausgeliefert wird, dazu machte der Staatsanwalt keine Angaben. Es handle sich um ein laufendes, nicht öffentliches Verfahren. Aus diesem Grund werden von der Justiz auch keine Namen genannt.

Es war dies bereits die zweite Verhaftung in dieser Speditions-Affäre. Ein Geschäftsführer eines deutschen Subunternehmens der niederösterreichischen Transportfirmengruppe landete bereits am Dienstag auf Grund eines Haftbefehls hinter Gittern.

Unterdessen bezeichnete Rainer K. (Kralowetz), der Bruder des Festgenommenen und Geschäftsführer der zunächst verdächtigten Kralowetz GmbH (Blindenmarkt/NÖ), die Geschehnisse als "unvollstellbar". Der Unternehmer habe in den vergangenen zwei Tagen zwei Mal mit seinem Bruder telefoniert. Nach seinen Angaben sei dieser von seiner Firma in Luxemburg über die Ereignisse in Österreich informiert worden.

Deswegen wollte er gleich in der Früh das luxemburgische Transportministerium aufsuchen und sich eine Bestätigung über die Arbeitsbewilligung seiner Fahrer holen. "Dort dürfte er dann festgenommen worden sein", vermutet Rainer K. im Gespräch mit der APA. Der Geschäftsmann glaubt nach eigenen Worten jedoch nicht daran, dass sein Bruder untertauchen wollte. "Sonst würde er nicht in ein Ministerium gehen und sich Bestätigungen holen", meinte er. Über die Hausdurchsuchungen in Niederösterreich haben die Brüder bei den Telefonaten angeblich nicht gesprochen. "Jetzt muss jeder schauen, wo seine Firma bleibt." Rainer K. hat gegenüber der APA mehrfach bestritten, ausländische Fahrer illegal beschäftigt zu haben.

Die Ermittlungen laufen im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Ausbeutung von mindestens 1.500 Lkw-Chauffeuren aus Ländern des Ostens durch das international tätige Transportunternehmen. Nach Angaben der niederösterreichischen Sicherheitsdirektion "betreibt der 55-jährige Karl K. mit seinen Brüdern Rainer, Othmar und Martin verschiedenste Firmenunternehmungen in Österreich, Luxemburg, Spanien, Frankreich, BRD, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien".

Die Firmenzentrale befinde sich in St. Georgen/Ybbsfeld. Geschäftsgegenstand der meisten Unternehmen sei das Gütertransportgewerbe. Die Kriminalisten gehen bei der "Firmenunternehmung" auf Grund der Verschmelzungen von einer "Firmeneinheit" aus. Aus offiziellen Firmenbuchaufzeichnungen ist ersichtlich, dass Karl K. an der Blindenmarkter Kralowetz GmbH - deren Geschäftsführer Rainer K. ist - mit einem Viertel beteiligt ist.

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