Im Bademantel durch Manhattan

24. Jänner 2002, 16:10
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US-Mafiaboss hatte sich durch "Verrücktspielen" vor Gefängnis gedrückt

New York - Ein New Yorker Mafiaboss hat sich jahrelang erfolgreich vor dem Gefängnis gedrückt, indem er "verrückt" spielte. Der mittlerweile 73-jährige Vincent Gigante mit dem Gangsternamen "The Chin" (das Kinn) war häufig am helllichten Tag im Bademantel durch die Straßen von Manhattan gestolpert und hatte wirres Zeug geredet.

Sieben Jahre erfolgreich verstellt

Mit diesem Trick gelang es ihm tatsächlich, die US-Justiz sieben Jahre lang hinters Licht zu führen, wie der Staatsanwalt am Bundesgericht in Brooklyn, Alan Vinegrad, am Mittwochabend (Ortszeit) einräumte. Der Boss des berüchtigten Genovese-Clans hatte sich vor Gericht als zu "krank" ausgegeben, um die kriminellen Operationen der Mafiafamilie steuern zu können.

Durch Videos aufgedeckt

Erst als Gigante 1997 trotz angeblich geistiger Umnachtung wegen Erpressung hinter Gitter kam, flog die Geschichte auf. Mit heimlich aufgenommenen Videos und Tonbandaufzeichnungen aus seiner Zelle und dem Gefängnishof kam die US-Justiz dem Mafioso auf die Schliche, der wegen seines Verhaltens als "Oddfather" (verrückter Pate) bekannt war.

Laut Vinegrad gab Gigante im Gefängnis von Forth Worth (US-Bundesstaat Texas) seine "Schauspielerei" auf und verhielt sich völlig normal, sobald er sich unbeobachtet fühlte. Nach Worten des Staatsanwalts ordnete Gigante zahlreiche Verbrechen aus seiner Zelle heraus an und hielt die Zügel seiner kriminellen Organisation fest in der Hand. Außer gegen den Mafiaboss selbst erhob der Staatsanwalt Anklage gegen sieben weitere Mitglieder des Genovese-Clans. (APA/dpa)

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