Steiermark bekommt höchste Windkraftanlage Europas

26. Jänner 2002, 23:06
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Oberzeiring - Wanderer, die sich im kommenden Herbst dem Bergrücken zwischen Kobaldeck und Pichlstein im Gemeindegebiet vom steirischen Oberzeiring nähern, werden schon aus einer Entfernung von etwa 400 Metern das Fauchen des höchsten Windparks Europas vernehmen können. Nahe der Klosterneuburger Hütte werden sie dann auf einer Höhe von 1900 Metern auftauchen: Elf 60 Meter hohe dreiblättrige Windräder, deren Spitzen mit einer Geschwindigkeit von 200 Km/h rotieren.

Die Energie, die die 19,25 Megawatt-Anlage produzieren soll, kann 15.000 Haushalte mit Strom versorgen. Wenn es nach der "Tauernwind -Windkraftanlagen GmbH", der Errichterin und Betreiberin des Windparks Oberzeiring, geht, wird im April dieses Jahres mit dem Bau begonnen. Mehr als 20 Kilometer weit müssen dazu Leitungen ins nächste Umspannwerk verlegt werden. Ab Mai wird dann die zwölf Kilometer lange, kurvenreiche Höhenstraße ausgebaut, damit auf ihr die Flügel der Windräder mit 33 Metern Länge in luftige Höhen transportiert werden können.

Wie an der Nordsee

Johannes Trauttmannsdorff von der "Tauernwind" arbeitet seit 1997 an dem ehrgeizigen Projekt: "Damals begannen wir - angeregt durch einen Jäger, der uns auf die ungenutzte Windstärke aufmerksam machte - mit ersten Windmessungen auf dem Bergrücken." Diese ergaben Windstärken vergleichbar mit jenen an der Nordseeküste. Mit Unterstützung der Bürgermeisterin von Oberzeiring, Rosa Rabitsch, stieß man auf eine aufgeschlossene Bevölkerung, die in Zukunft nicht nur durch die erzeugte Energie profitieren wird. Rabitsch: "Wir errichten eine Aussichtsplattform auf einem der Windräder und planen Veranstaltungen zum Thema Alternativernergie." Außerdem können sich die Bewohner über Aktien an "ihrem" Windpark beteiligen.

In Österreich gibt es insgesamt 138, in der Steiermark inklusive Oberzeiring vier Standorte für Windkraftanlagen. Mehr Anlagen wären aber möglich, wie Trauttmannsdorff betont: "Viele Projekte liegen in den Schubladen, weil die Rahmenbedingungen hier lähmend sind. Die Stromtarife sind zu niedrig, die Förderungen für Windenergie auch."

Tschechien im Aufwind

Die "Tauernwind" engagiert sich zunehmend im Ausland: Neben Spanien, Deutschland und Ungarn vor allem in Tschechien - durch neue Stromtarife - in Sachen Alternativenergie im Aufwind. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Print-Ausgabe 24.1.2002)

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