Auto-Verkauf im Supermarkt

24. Jänner 2002, 14:26
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Autogeschäft wird liberalisiert - Großketten sind aber skeptisch

Frankfurt/Wien - Auch bei einer möglichen Liberalisierung des Autohandels durch die EU-Kommission dürften in deutschen und österreichischen Supermärkten und Versandhäusern auch künftig nur selten Neuwagen angeboten werden. Momentan gebe es keine Pläne, ins Autogeschäft einzusteigen, heißt es derzeit unisono bei den deutschen Einzelhandelsketten, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters ergab. Grund sei unter anderem, dass mit dem Verkauf von Autos auch Service- und Garantiedienste anfielen, was für die Einzelhändler meist zu aufwendig wäre. Dessen ungeachtet verwenden Einzelhandelskonzerne Pkw mitunter als Markekting-Gag, um sich ins Gespräch zu bringen.

So hat in Österreich die zum BML-Konzern gehörende Merkur-Kette derzeit einen VW-Golf im Angebot - allerdings nur für Mitglieder ihres Kundenclubs, die einen gewissen Mindestumsatz getätigt haben. Angeboten und geliefert wird der Wagen nicht von der Kette selbst - was rechtlich noch gar nicht möglich wäre. Lieferant ist ein steirischer VW-Händler.

Risiko Kundenverlust

Der Mutterkonzern der BML-Gruppe, der deutsche Einzelhandelsriese Rewe, denkt nach eigenem Bekunden aber nicht daran, wirklich in den Autohandel einzusteigen. Schließlich kaufe niemand ein Auto "im Vorbeigehen am Supermarkt-Regal", sagte ein Rewe-Sprecher auf Anfrage. "Das ist ja eine größere Investition für den Verbraucher, da hat er zu Recht ein großes Informations- und Betreuungsbedürfnis." Sollte der Kunde dann mit dem Auto nicht zufrieden sein, riskiere man, ihn auch als Supermarkt-Kunden zu verlieren, lautet die Befürchtung. Auch andere deutsche Einzelhändler wie Karstadt, Wal-Mart, Metro oder Tchibo haben derzeit nach eigenen Angaben keine Pläne, Autos in ihr Warensortiment aufzunehmen. Generell ausschließen wollten einige der Befragten einen solchen Schritt aber auch nicht.

Eine Abschaffung der bisher exklusiven Bindung der Autohäuser an die jeweiligen Fahrzeughersteller, wie es derzeit noch in der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) geregelt ist, würde den Neuwagenhandel über Kaufhäuser, Internet oder Katalog theoretisch möglich machen. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti denkt darüber nach, die im September auslaufende GVO nicht zu verlängern und die Händlernetze zu öffnen. Monti will damit unter anderem die engen Bande zwischen den Händlern und Werkstätten mit ihren Autoherstellern lockern und eine liberalere Preispolitik durchsetzen.

Analysten sind skeptisch

Nicht nur die Betroffenen selbst, auch Analysten sehen ein mögliches Engagement der Einzelhändler im Neuwagen-Geschäft überwiegend skeptisch. Thilo Kleibauer, Experte für den Einzelhandelssektor beim Wertpapierhaus M.M Warburg, sieht im Neuwagenverkauf kein attraktives Geschäftsfeld für den Einzelhandel. "Gerade beim Verkauf von Autos muss ein großer Vorrat angelegt werden, und die Einzelhandelsunternehmen wollen ja gerade ihre Lagerbestände abbauen. Ich kann mit nicht vorstellen, dass auf Dauer Autos angeboten werden, abgesehen von Sonderaktionen", sagte Kleibauer. Arndt Ellinghorst, Auto-Analyst bei WestLB Panmure, hält eine Bedrohung der Automobilindustrie durch die Handelsketten nicht für realistisch. "Ich sehe da nicht die vielbeschworene Revolution im Autohandel", sagte er. Die Einzelhändler seien nicht gut damit beraten, in das Geschäft einsteigen, da sie immer auf die Kooperation mit dem Autohersteller angewiesen blieben. (Reuters/APA)

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