Konzern-Chef Kenneth Lay zurückgetreten

24. Jänner 2002, 15:54
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"Ich will Enron überleben sehen" - Größte Firmenpleite der US-Geschichte beschäftigt auch das FBI

Houston - Knapp zwei Monate nach der größten Pleite der US- Geschichte ist der Chef und Gründer des zusammengebrochenen Energiekonzerns Enron, Kenneth Lay, zurückgetreten. Er beugte sich am Mittwochabend dem Druck eines Gläubigerkomitees, bevor am Donnerstag eine Kongressanhörung über die Umstände des Zusammenbruchs beginnen sollte. Zusammen mit der Enron-Führung sucht das Komitee bereits nach einem Übergangschef, der die geplante Umstrukturierung den Unternehmens in Angriff nimmt.

In zwei parallele Anhörungen sollen die Aufsicht der Finanzmärkte, die die Pleite nicht verhindern konnte, und Enrons Wirtschaftsprüfungsfirma Arthur Andersen unter die Lupe genommen werden. Bei Andersen wurden im Herbst zahlreiche Enron-Dokumente vernichtet. Der für Enron zuständige und von Andersen gefeuerte Partner David Duncan, war vorgeladen, wollte nach Angaben seines Anwalts jedoch die Aussage verweigern, um sich vor eventuellen Strafverfahren nicht selbst zu belasten.

"Ich will, dass Enron überlebt"

"Ich will, dass Enron überlebt", teilte Lay (59) am Mittwochabend am Firmenhauptsitz in Houston (Texas) mit. Dafür brauche das Unternehmen jemanden, der sich "hundertprozentig" auf die Reorganisation konzentrieren könne. "Mit den zahlreichen Untersuchungen, die mich zur Zeit beschäftigen, wird es leider immer schwieriger, mich voll auf das zu konzentrieren, was für die Enron- Beteiligten am wichtigsten ist." Lay bleibt bis auf weiteres Vorstandsmitglied.

Enron, einst das siebentgrößte US-Unternehmen, hatte am 2. Dezember mit Milliardenschulden Gläubigerschutz beantragt. Das Unternehmen steht in Verdacht, Aktionären und Angestellten die prekäre Finanzlage wissentlich verschwiegen zu haben. Im Visier der Ermittler - neben dem Justizministerium und der Börsenaufsicht mehrere Kongressausschüsse - stehen mehrere dubiose Partnerschaften, in denen Enron Schulden in Millionenhöhe versteckt haben soll. Der Aktienkurs ist von fast 90 Dollar im Jahr 2000 auf weniger als einen Dollar eingebrochen.

Enge Verbindungen zur Regierung

Brisant ist die Firmenpleite wegen der engen Verbindungen von Enron zur Regierung. Lay ist ein guter Bekannter von US-Präsident George W. Bush. Das Unternehmen gehörte zu den größten Wahlkampfspendern.

Das Bundeskriminalamt FBI prüft inzwischen Berichte von ehemaligen Enron-Angestellten, dass nach dem Zusammenbruch in der Buchhaltung kistenweise Dokumente vernichtet wurden. In der Firmenzentrale in Houston wurde ein Container mit geschredderten Papieren sichergestellt.(APA/dpa)

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