Männer-Krieg & Frauen-Frieden?

25. Jänner 2002, 15:09
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Ringvorlesung zu theologischen und gesellschaftlichen Implikationen von Frieden und Krieg

Das Bild des kriegerischen Mannes und der friedliebenden Frau wurde bereits in den ersten Jahren der Frauenforschung in seiner Konstruktionsverhaftung demontiert. Die dualistische Konstruktion der Geschlechter hatte in diesem Zusammenhang für die Frauen eine eher positiv konnotierte Position reserviert, bis in der Diskussion der Begriff "Mittäterinnenschaft" eingebracht wurde. Im Fokus der Analysen standen und stehen bis heute jedoch die Auswirkungen von Kriegen für Frauen (und Kinder), die Gewaltbereitschaft der Männer sowie die daraus folgenden Konsequenzen.

Aus dem Blickfeld gerät dabei jedoch die Frage nach gesellschaftlichen Grundstrukturen, zu denen auch das Vorhandensein von Militärs und damit das prinzipielle Einverständnis mit dem kriegerischen Handlungsinstrument zählt. Außerdem wird der Faktor kultureller und damit sozialisierter Verhaltensnormen und Handlungsanleitungen unterschlagen, unter denen u.a. die religiöse Einstellung unterschiedlicher Gruppen zu sehen sind.

Feministische Friedensforschung

Dass diese interkulturellen Verschiebungen auf der weltpolitischen Entscheidungsebene zu vielfältigen Konfliktfeldern führen, zeigte sich in den letzten Jahren nur allzu oft: von den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien bis zur Nahost-Krise und den kriegerischen Interventionen der USA in Afghanistan.

Im Rahmen der Neuen Frauenbewegung formierte sich außerdem neben der Frauenfriedensbewegung auch eine feministische Friedensforschung, wobei beiden ein viel umfassenderer, positiver Friedensbegriff zugrunde liegt, der politische, ökonomische und soziale Stabilitäten mit einbezieht. Mit der Kritik am androzentristischen Charakter bisheriger Friedensbewegung und -forschung wird deren Neuformulierung unter Einbeziehung der Kategorie Geschlecht und der Lebenszusammenhänge von Frauen gefordert (so wurde etwa der Themenkomplex "(Auf)Rüstung Sozialabbau" von der Frauenfriedensbewegung viel stärker thematisiert).

Perspektiven der Geschlechterforschung

Die Ringvorlesung "(Männer-)Krieg & (Frauen-)Frieden? Theologische und gesellschaftliche Implikationen" möchten zwei bislang eher getrennt diskutierte Phänomene zusammenführen: zum einen die Achse der Analyse von religiösen Implikationen von Kriegen, zum anderen die Achse der Perspektiven der Geschlechterforschung zum Themenbereich "Krieg" mit den damit implizierten Gewalt- und Herrschaftsverhältnissen.

Die Ringvorlesung soll im Wintersemester 2002/03 (jeweils am Donnerstag 18 bis 19.30 Uhr) stattfinden. Dieses Projekt will sowohl für Studierende als auch für Lehrende Zeit und Raum schaffen, vielfältige Gesichtspunkte und Annäherungen an den Themenkomplex kennen zulernen bzw. zu diskutieren: Ist Krieg ein männliches Konfliktlösungsmodell? Welche Konstruktionen von Weiblichkeit und Männlichkeit werden in der Art der Darstellung von Kriegen sichtbar? Welche alternativen Denk- und Handlungsspielräume ergeben sich durch die feministische Kritik an Täter-Opfer-Konstruktionen? Was trägt der Opferdiskurs der feministischen Theologie zu dieser Öffnung bei? Welche Rolle spielen Religionen für die Entstehung, die mediale Vermittlung, die Handlungsweisen und die Aufarbeitung bzw. Rechtfertigung von Kriegen? Inwiefern werden Geschlechterdimensionen von Kriegsfolgen in der Aufarbeitung von Kriegen sichtbar (Judikatur von Kriegsverbrechertribunalen, Migration etc.)? Auf welche Weise thematisieren feministisch-theologische Ansätze den Zusammenhang von Monotheismus, Patriarchat und Krieg? Welchen Stellenwert hat feministische Friedensarbeit in Geschichte und Gegenwart? Welche friedenspolitischen Chancen bringen feministisch-kritische Friedensforschungen?

Für das Vorhaben sind WissenschafterInnen aus allen Disziplinen eingeladen, den Geschlechterdimensionen in den Verbindungslinien von Krieg - Religion - Frieden nachzuspüren und so aktuelle gesellschaftliche Phänomen unter geschlechterkritischer Perspektiven zu analysieren. (red)

Vortragsvorschläge mit Arbeitstitel und kurzem Thesenpapier sind bis 15. März 2002 zuzusenden an:

Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung, Universität Salzburg, Universitätsplatz 1, 5020 Salzburg,

E-mail
Tel: 0662-8044-2522
Fax: 0662-8044-2523

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