Frauen ernähren sich "vernünftiger"

12. Februar 2002, 15:58
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Neue Gallup Studie bescheinigt Frauen ein bewussteres Essverhalten

Wien - 76 Prozent der ÖsterreicherInnen meinen, dass sich die heimische Bevölkerung schlecht ernährt, wobei aber gleich viele mit ihrer eigenen Ernährungssituation zufrieden sind. Das heißt, ungesund essen tun immer "die anderen". Das ergab eine Umfrage unter 500 Personen über 14 Jahre des Meinungsforschungsinstituts Gallup, das am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde.

Auftraggeberin der Studie war die neu formierte Plattform "Initiative Ernährung". Gegründet wurde diese von MedizinerInnen und WissenschafterInnen, darunter Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin, der Gastroentrologe Siegfried Meryn, Michael Kunze, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin der Universität Wien, sowie die Sozialmedizinerin Anita Rieder.

Einstellung zur Ernährung ändern

Das Anliegen der Gruppe ist es, das Verständnis und die Einstellung der österreichischen Bevölkerung zur Ernährung grundlegend zu verändern. Kunze: "Dabei ist es uns wichtig, alltagstaugliche Lösungen zu finden, die wirklich jeder umsetzen kann. Denn die Studie zeigt, dass enormer Handlungsbedarf besteht." Für Kunze sei es bezeichnend, dass das Ernährungsverhalten der Gesamtbevölkerung negativer eingeschätzt werde als die eigenen Gewohnheiten.

"Mit der 'Initiative Ernährung' wollen wir diesem Verhalten auf dem Grund gehen und dann zielführende Schritte zur Verbesserung der Situation setzen", sagte der Sozialmediziner. "Wir müssen jetzt unsere KollegInnen intensiver als bisher mit der Thematik konfrontieren. Die heimische Ärzteschaft muss vermehrt als Multiplikator und Berater eingesetzt werden", erklärte Widhalm.

Frauen haben eher schlechtes Gewissen

Denn laut der Umfrage würden sich 34 Prozent der Österreicher ja gerne gesünder ernähren. Nicht besonders ernst nehmen diesen Vorsatz jedoch v.a. die Männer. Frauen weisen da ein viel vernünftigeres Verhalten auf. Diese haben eher ein Problem damit, wenn ihr Essen kalorienreich ist (34 Prozent) und haben in der Folge ein schlechtes Gewissen auf Grund der intensiven Nahrungsaufnahme (35 Prozent). 59 Prozent der Österreicher forderten fundierte und klare Informationen: Denn diese gaben an, sich mit gesunder Ernährung gar nicht auszukennen. 56 Prozent meinten, dass das bewusste Essen mit einem höheren Geldbedarf verbunden ist.

"Ich esse, was ich bekommen kann"

34 Prozent der Befragten gaben an, aus Stressgründen oft zu wenig Zeit zum Essen zu haben. Deswegen speisen 37 Prozent "Ich esse oft nicht das, was ich will, sondern was ich bekommen kann". Hier sind es besonders die jüngeren ÖsterreicherInnen - v.a. die bis 29-Jährigen -, die von diesem Problem betroffen sind. Die über 50-jährige Bevölkerung hat lediglich ein stärkeres Problem mit der Gewichtszunahme. Denn je älter die ÖsterreicherInnen, desto wichtiger wird ihnen ihre Ernährungssituation.

Nach der Untersuchung nimmt die Bedeutung des vernünftigen Essens mit der Haushaltsgröße stetig ab. Das deutet darauf hin, dass kinderreiche Familien diesen Aspekt stärker vernachlässigen als Haushalte ohne oder nur mit einem Kind.

Fleisch auf Platz eins

Platz eins auf dem Speiseplan der Österreichernnen ist eindeutig: 63 Prozent der Befragten gaben an, zu den letzten beiden Hauptmahlzeiten Fleisch konsumiert zu haben. Für mehr als jeden Zweiten ist wenig bis kein Fleisch zu essen kein wichtiges Merkmal vernünftiger Ernährung. Generell werden Salat, Gemüse und Obst häufiger von jenen konsumiert, die stärker mit ihrem Gesundheitszustand, ihrem persönlichen Wohlbefinden und ihrer Ernährungssituation zufrieden sind. Zu Mittag etwas kaltes - wie etwa Salat -, ist z.B. in Wien und Niederösterreich wesentlich beliebter als in den restlichen Bundesländern. (APA)

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