Preise für Suchtgift sind "im Keller"

24. Jänner 2002, 19:25
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Exekutive warnt vor den Folgen der Schleuderpreise - Konsumenten werden immer jünger

Linz - "Die Preise für Suchtgift sind derzeit im Keller" - diese Warnung kommt jetzt von den Experten der Exekutive. Heute reicht schon das durchschnittliche Taschengeld eines Schülers für den "Drogen-Einkauf". Die Folge davon: Bereits Elf- und Zwölfjährige wurden ausgeforscht, weil sie Cannabis oder Ecstasy-Tabletten "probierten". Dies geht aus dem neuesten Suchtgiftbericht der oberösterreichischen Sicherheitsdirektion hervor.

Die Zunahme des Suchtgiftmissbrauchs im Bereich von Cannabis, Ecstasy und Amphetaminen, der im vergangenen Jahr festgestellt wurde, ist für die Experten von Gendarmerie und Polizei nicht überraschend. Um sieben oder acht Euro erhält man heute ohne weiteres ein Gramm Cannabis oder eine Ecstasy-Tablette. Früher mussten dafür bis zum Dreifachen bezahlt werden. Selbst ein Gramm Kokain gibt es bereits zum "Schleuderpreis" von 40 bis 50 Euro.

Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass immer mehr Jugendliche als "Klein-Dealer" tätig sind, vor allem in Discotheken und anderen Lokalen. "Die Tiefstpreise hängen mit dem großen Angebot zusammen, dieses wiederum wird dadurch in Umlauf gebracht, dass viele Jugendliche selbst als Dealer in ihrem Umfeld auftreten", erläutert Alois Lißl von der OÖ. Sicherheitsdirektion. Die eigentlichen Suchtgifthändler können auf diese Weise im Hintergrund bleiben. Wobei sich noch ein bedenklicher Trend zeigt: Häufig werden Jugendliche, die sich als besonders "fleißige" Dealer erweisen, von den Hintermännern mit kleinen Rationen kostenlosem Kokain "belohnt".

Billiges Heroin

Sorgen bereitet den Sicherheitsbehörden auch die Entwicklung beim Heroin. Das "Angebot" ist auf diesem Gebiet derzeit international so groß, dass nicht nur die Preise niedrig sind sondern auch "Stoff" mit bisher nicht gekannter "Reinheit" auf dem Markt ist. "Lag früher der Heroin-Anteil einer Portion bei vielleicht 20 Prozent, so sind heute 50 Prozent keine Seltenheit", sagt Lißl. Damit erhöhe sich die Gefahr einer Überdosis speziell bei "unerfahrenen" Jugendlichen.

Generell sei es alarmierend, sagt Lißl, dass bei vielen Jugendlichen so gut wie kein "Unrechtsbewusstsein" im Zusammenhang mit Drogen vorhanden ist, "Alkohol ist viel gefährlicher", rechtfertigen sich die jungen Suchtgiftkonsumenten. Ebenso würden die möglichen gesundheitlichen Gefahren, beispielsweise auch von Ecstasytabletten, unterschätzt.(APA)

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