Verhandlung gegen Security-Chef nach Bergisel-Unglück vertagt

25. Jänner 2002, 17:01
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Weitere Zeugen werden vorgeladen - Angeklagten drohen bis zu drei Jahre Haft

Innsbruck -

Der Prozess wurde am Nachmittag zum zweiten Mal auf unbestimmte Zeit vertagt. Es sei noch die Einvernahme von mindestens fünf weiteren Zeugen sowie von zwei Sachverständigen beantragt worden, erklärte Staatsanwalt Rudolf Koll .

Nachdem im November 2001 die erste Verhandlung rund um das Bergisel-Unglück vertagt worden ist, hat sich am Freitag der Chef der privaten Sicherheitsfirma erneut wegen "fahrlässiger Gemeingefährdung" am Innsbrucker Landesgericht verantworten müssen.

Befragung von "Air & Style"-Company

Am Vormittag stand die Befragung des Sicherheitsbeauftragten der "Air & Style"-Company auf der Tagesordnung. Nachdem er von einem der vier Privatbeteiligtenvertreter auf die genaue Zuschauerzahl angesprochen wurde, erklärte der Unternehmer: Im Jahr 1999 seien im Vorfeld des Contests insgesamt 40.000 Besucher bei der Veranstaltungsbehörde angemeldet worden. Tatsächlich habe die "Air & Style"-Company aber nur mit 22.000 Fans gerechnet. Aus Marketing-Gründen sei aber die höhere Zahl der erwarteten Gäste angegeben worden.

140 Securities zuwenig für 40.000 Besucher

Wären aber wirklich die angemeldeten 40.000 Besucher gekommen, wären die bei dem Snowboard-Event eingesetzten 140 Securities "zu wenig" gewesen, hielt der Privatbeteiligtenvertreter dem Befragten entgegen. Dem entgegnete dieser: "Ich hätte nie mehr als 22.000 Zuschauer" in das Bergisel-Stadion hineingelassen. Für diese Zahl seien die eingesetzten Sicherheitskräfte "angemessen" gewesen.

Der Behörde sei die Diskrepanz zwischen der viel höher angesetzten erwarteten Zuschauerzahl und der im Vorfeld geplanten 140-köpfigen Security-Gruppe nicht aufgefallen, wie der Zeuge betonte. Wenn Falger aber bei der Erstellung des Sicherheitskonzepts mehr Personal für nötig befunden hätte, dann hätte er dies sicherlich unterstützt, sagte der Zeuge. Der Angeklagte hatte beim ersten Prozesstag am 16. November des Vorjahres jedoch erklärt, die "genauen Auflagen des Veranstalters" erfüllt zu haben. Überlegungen über ein eigenes Sicherheitskonzept habe er aber nicht angestellt.

Mögliche Unglücksursache

Dem Angeklagten könne der Zeuge nichts vorwerfen, Falger habe "seine Sache immer sehr gut gemacht". Der befragte Unternehmer habe sich auch während der Veranstaltung selber davon überzeugt, "dass alle Securities auf ihrem Posten sind". Zum Zeitpunkt der Tragödie sei er jedoch nicht am Unglücksort, am West-Ausgang, gewesen. Auf die Frage von Verteidiger Hansjörg Mader nach einer möglichen Unglücksursache, antwortete der Zeuge: "Ich habe viel darüber nachgedacht, bin aber nicht auf ein schlüssiges Ergebnis gekommen."

Tote und Verletzte

Zu dem Unglück war es am 4. Dezember 1999 im Anschluss an das Snowboard-Spektakel "Air & Style" gekommen. Vier Tirolerinnen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren und eine 21-jährige Australierin waren dabei ums Leben gekommen, fünf weitere Jugendliche wurden dabei schwer verletzt. Insgesamt 38 Verletzte mussten in Krankenhäusern versorgt werden. Das Unglück hatte sich noch vor der offiziellen Siegerehrung in unmittelbarer Nähe des westlichen Stadionausgangs ereignet. (APA)

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