Adler mit Hasenohren

31. Jänner 2002, 09:03
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Gumpoldskirchen kann auch anders als nur auf die Bustouristen- und Heurigen-tour. Zum Beispiel mit einem Gasthaus

Der Schrannenplatz ist quasi das historische Zentrum von Gumpoldskirchen, das vor Erfindung der Weinfeste und Touristenheurigen ja einmal einen echt guten Ruf gehabt hatte. Und genau dort steht ein Gasthaus aus dem 16. Jahrhundert, das die Stadtverwaltung vor geraumer Zeit erwarb, es dann 40 Jahre leer stehen ließ und sich mit dem Gedanken trug, es in eine Parkgarage zu veredeln. Weil es aber noch eine Gerechtigkeit gibt, beschloss man voriges Jahr doch, was Sinnvolles damit zu machen, nämlich wieder ein Gasthaus, investierte EURO 872.000 und schrieb es zur Pacht aus.

Das traf sich insofern gut, als die jungen Winzer Herbert Hasenöhrl und Kurt Pröglhöf neben ihrer Weingut-OEG ohnehin auch noch andere Pläne hatten. Ihr Konzept eines Musikwirtshauses "Schwarzer Adler" setzte sich durch, mit dem Koch Andreas Surger trafen sie auf die gastronomische Ergänzung des Teams. "Wobei Gumpoldskirchen ein schwieriges Pflaster ist", so der Koch, "weil da hast gleich die schlechte Nachred'".

Die aber völlig unangebracht ist, denn selten sperrte in den letzten Jahren ein Gasthaus auf, in dem man um so wenig Geld so ambitioniert bekocht wird: Das Karpfenfilet in krosser Polenta-Panier war hervorragend (EURO 7), der "Gänseleber-Apfel-Strudel" mit seinem statisch bemerkenswerten Teig-Überbau genauso gut wie spektakulär anzuschauen (EURO 7,70). Die kräftige Rindsuppe mit den Kalbshirnpofesen fügte sich geschmeidig ins Interieur (EURO 2,50), die Erbsenmelange mit Gänseleber-Croutons zwar weniger, schmeckte dafür aber ganz ausgezeichnet (EURO 3,40). Und die mürbe Kaninchenkeule fiel schon vom Knochen, dem Erdäpfel-Oliven-Karotten-Tomaten-Gemüse fehlte freilich ein bisschen der Witz (EURO 11,50), beim wirklich extra zarten Lammrücken mit erfreulichem Blattgemüse enttäuschte nur der eher öde Risotto (EURO 11,50).

Die Weine stammen hauptsächlich aus dem Weingut Hasenöhrl und sind absolut tadellos, wobei vielleicht zu überlegen wäre, auch ein paar Exemplare von den "Tops of Gumpolz" Biegler, Schellmann, Zierer, Thiel und Krug zu listen. Nicht nur wegen der Nachred'.

derStandard/Rondo/25/01/02

von Florian Holzer

Zum Schwarzen Adler, Schrannenpl. 3, 2352 Gumpoldskirchen, Tel.: 02252 / 60 70 66, Mi-Sa 10-24, So, Mo 10-17 Uhr.
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