Der finnische Champ

30. Jänner 2002, 19:52
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Das Wiener Hofmobiliendepot zeigt Weltklasse-möbel des finnischen Architekten und Design-großmeisters Alvar Aalto

Stünde die Wiener Stadthalle in Helsinki, wäre sie ziemlich sicher von Alvar Aalto. Gemeinsam mit dem Architekten Roland Rainer errang der Finne in Wien seinerzeit den 1. Wettbewerbspreis, umgesetzt wurde allerdings das Projekt Rainers. Bleibt immer noch Helsinki. Fährt man unter ortskundiger Begleitung durch Finnlands Hauptstadt, schweift der Blick mehr oder weniger von einem Aalto-Bauwerk zum anderen. Und - es bleiben auch die Möbel.

Das Kaiserliche Hofmobiliendepot in Wien präsentiert erstmals die Privatsammlung von Heinz Kossdorff, Birkenholzfan und Aalto-Sammler. Zu sehen sind circa 70 der guten Stücke - Möbel und Glasentwürfe Aaltos und seiner Frau Aino. Alvar Aalto (1898-1976), bedeutender Architekt der Moderne und eine Art Gottvater des finnischen Designs, war Wegbereiter für den Boom nordischer Gestaltung vor mehr als 50 Jahren und wurde im Möbelbereich vor allem für seine Objekte aus verleimtem und gebogenem Holz berühmt. Ab 1927 experimentierte er, angeregt durch die Thonet-Möbel, mit diesem Verfahren. Vor allem das Birkenholz, wovon es in Finnland ja nicht zu wenig gibt, war Werkstoff Aaltos. Außerdem war der Architekt diesbezüglich auch familiär vorbelastet, immerhin war sein Opa namens Hamilkar Hackstedt Oberforstmeister.

Seine Stücke sah der Finne aber nie losgelöst von seiner Arbeit als Architekt: "Meine Möbel entstanden nicht als Einzelstücke", meinte er 1954, "sondern sie gehören immer zu einer architektonischen Einheit, ob zu einem öffentlichen Gebäude, einem Herrschaftssitz oder einer Arbeiterwohnung. Auf diese Art und Weise hat das Möbelgestalten immer großen Spaß gemacht." Kennzeichen seiner Weltklasse-Stücke vom Hocker bis zur Vase ist immer auch die Erforschung der organischen Form, oder wie er es ausdrückte: "Das beste Standardisierungskomitee der Welt ist die Natur selber . . .". Darin erkennt Aalto "Millionen flexibler Kombinationen . . .".

Begleitet wird die Schau von Diskussionen und Vorträgen. Themen sind unter anderem "Aalto und die Wiener Stadthalle" oder "Aalto und Marcel Breuer".

maik

derStandard/rondo/25/01/02

ANSICHTSACHE
-->Alvar Aalto


Alvar Aalto: Die Möbel" aus der Sammlung Kossdorff. Kaiserliches Hofmobiliendepot, Mariahilfer Straße 88, 1070 Wien, bis 21. April 2002. Di- So 9 bis 18 Uhr, Tel. 01 / 524 3357-0.
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