Die besten Jazz-CDs der Woche

24. Jänner 2002, 18:32
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... und ein bisschen mehr!

Von Ljubisa Tosic

DIANA KRALL The Look Of Love (Universal):
Sie ist mittlerweile ein jazzig-kommerzieller Selbstläufer, ihre CD-Neuheiten werden auch per TV-Werbung gepuscht. Und Miss Diana Krall kann es sich auch leisten, in Hotels Sonderwünsche (bezüglich Handtüchern etwa) zu äußern - ein Popstar der swingenden Zunft. Alles zwar ein bisschen übertrieben, aber kein Zufall und auch nicht ohne Berechtigung: Krall hat das Timbre und die Phrasierung, die alte Songwelten aufwecken und beleben - besonders bei Balladen trifft sie die Liedchen mitten ins Herz. Die Arrangements, mit denen sie sich mitunter umgibt, sind nicht immer so schön herb wie ihre Stimme. Aber auch der alte Sinatra umgab sich gerne mit Streicherwatte. Und in die hüllt Produzent Tommy LiPuma seine Dame sehr gerne. Wenn Krall in die Streicher hinein "The Look of Love" sagt, ist allerdings alles wieder gut.

TIMNA BRAUER Voice For Peace (Edel)
Sie war beim Songcontest, war Evita auf der Klagenfurter Seebühne, sie hat auch in jazzigen Bereichen gearbeitet und durchaus auch klassische Werke in ihre vokale Welt aufgenommen. Ein Aspekt der Arbeit von Sängerin Timna Brauer kreist aber um Folklore und Weltmusik. Hier erlebt man eine reizvolle Reise durch allerlei Musikkulturen: marokkanische Gesänge, byzantinische Kirchenmusik, jüdische Stücke aus Osteuropa, muslimische Neujahrsgesänge, Balladen aus dem 14. Jahrhundert und auch Spirituals wie We Shall Overcome. Eine Menge stilistischer Vielfalt wird hier angeboten. So aufwändig wie kulturenversöhnend.

ANDY MANNDORFF Matter And Motion (Extraplatte)
Saitenkunst für anspruchsvolle Ohren: Andy Manndorff, eigenwilliger Stilist, hat sich ganz unbegleitet der Saitenwelt gewidmet und eine Sammlung markanter Miniaturen ersonnen. Harmonisch anspruchsvoll, also freitonal, geht es zu; einprägsame Riffs wechseln mit kurzen Ausbrüchen improvisatorischer Art. Ein Brise Blues da, bewusst verquere Themen dort. Alles ist eigen und kauzig. Stücke wie alles offen und Nagelprobe, das slidegetränkte slippery und Big Wings sind eher poetisch angehaucht.

EDDY LOUISS & RICHARD GALLIANO Face To Face (Dreyfus Jazz)
Ein entspanntes Zwio: Orgel und Akkordeon schwelgen in swingenden Erinnerungen an irgendeine schöne Zeit, zücken das Sentiment-Taschentuch. Natürlich: Louiss (Orgel) und Galliano (Akkordeon) lassen auch beboppige Themen krabbeln und kennen auch die Vorzüge des Tangos. Sie wissen, was sie tun.

DON BYRON You Are #6 (EMI)
Die Klarinette, einst im Jazz eher wesentlich, ist im Laufe der Jahrzehnte etwas in den Jazzschatten gerückt. Dieser Mann tut allerdings etwas dagegen. Don Byron ist indes auch ein Komponist und Konzeptualist, der abseits seiner instrumentalen Fähigkeiten zu loben ist. Hier präsentiert er Musik für sechs Instrumente. Sie bezirzen durch Paraphrasen über karibische Rhythmen. Eine Ballade wird auch mitgeliefert. Mit Byron als großem Lyriker der Klarinette.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 1. 2002)

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