Kolumbien: Trotz Entspannung bleiben soziale Probleme virulent

24. Jänner 2002, 07:39
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"Hilfswerk Austria" mit einem Friedensprogramm aktiv

Bogota/Wien - Zwar haben sich die Regierung in Bogota und die marxistischen FARC-Rebellen auf Gespräche über eine Waffenruhe geeinigt und der Lage in Kolumbien etwas an Spannung genommen, die vielen Jahrzehnte des Kampfes zwischen Paramilitärs und Guerillakämpfer hinterließen aber tiefe Spuren. Die Folgen: Tausende Familien wurden aus ihren Dörfern vertrieben und leben ohne Einkommen in den Slums von Bogota. Andere haben den Ehemann, ihre Eltern oder die Geschwister im Krieg verloren.

Seit Sommer 2001 ist das "Hilfswerk Austria" mit einem Friedensprogramm in Kolumbien aktiv. Insgesamt werden rund 400 Kinder aus dem Umkreis von Paramilitärs und der FARC in der umkämpften Region Alto Ariari gemeinsam unterrichtet. Hier soll es egal sein, aus welchen Verhältnissen die Kinder stammen. Mädchen und Buben aller miteinander verfeindeten Parteien in der Region Alto Ariari lernen gemeinsam. In den Slums von Bogota entsteht ebenfalls eine Schule für 300 Flüchtlingskinder, die der schwarzen Minderheit angehören. Sie leben nicht nur in bitterer Armut, sondern werden auch wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert.

Elisabeth ist sechs Jahre alt. Ihre ältere Schwester Julietta kann weder lesen noch schreiben. Seit ihrem achten Lebensjahr hilft sie der Mutter bei der Arbeit auf den Plantagen. Ihr Bruder Carlos ist siebzehn. Von ihm hat Elisabeth schon lange nichts mehr gehört. "Er ist bei den Kämpfern im Dschungel", heißt es. Ob er überhaupt noch am Leben ist, weiß keiner. Ihren Vater kennt das Mädchen nicht. Wahrscheinlich ist auch er ums Leben gekommen. So wie viele andere, die aus dem Dorf verschwunden sind. Die Chance, dass Elisabeth dem Teufelskreis der Gewalt entkommen kann, ist gering. Nur über die Erziehung zur Toleranz gibt es eine Hoffnung.

"Die Basis für eine friedliche Zukunft kann nur dann gelegt werden, wenn eine junge Generation mit neuen Werten heranwächst. Mädchen und Buben sollten wieder eine Perspektive finden. Schulen, in denen aktive Friedenserziehung betrieben wird, sind eine Voraussetzung dafür", sagt dazu Heidi Burkhart, Geschäftsführerin von Hilfswerk Austria. Die Projekte sind freilich nicht billig. Das Gehalt eines Lehrer beträgt pro Monat 363 Euro. Mit 20 Euro kann ein Kind mit Heften und Büchern ausgestattet werden. Und der Besuch eines Internats kostet pro Kind im Monat rund 36 Euro. (APA)

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