Konzern-Chef Kenneth Lay zurückgetreten

24. Jänner 2002, 12:24
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"Ich will Enron überleben sehen" - Vorstand auf der Suche nach neuem Vorsitzenden

Boston - Der Chairman und CEO des US-Energiekonzerns Enron, Kenneth Lay, ist nach Angaben des Unternehmens am Mittwoch von seinem Posten zurückgetreten. Jetzt werde ein Fachmann für die Restrukturierung des Unternehmens gesucht, teilte Enron in Boston mit. Dieser werde als Übergangs-CEO fungieren. Der Vorstand konzentriere sich jetzt auf die Suche nach einem neuen Vorsitzenden. Lay selbst sagte, er habe seinen Entschluss zum Rücktritt in Kooperation mit dem Gläubiger-Komitee getroffen. Der Energiehändler Enron hatte Anfang Dezember nach Bilanzfälschungen Konkurs beantragt.

"Ich will Enron überleben sehen", sagte Lay. Daher sei am Steuer des Unternehmens jemand nötig, der sich zu 100 Prozent auf die Aufgabe der Umgestaltung des Unternehmens konzentrieren könne. Die umfangreichen strafrechtlichen Ermittlungen und die Untersuchungen des Kongresses sowie von Aufsichtsbehörden im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Unternehmens beanspruchten viel von seiner Zeit, sagte Lay. "Es wird immer schwieriger, sich auf das zu konzentrieren, was für diejenigen, die Enron die Stange halten, am wichtigsten ist."

Zusammenbruch des Unternehmen

Lays Rücktritt erfolgte mehr als einen Monat nach dem Zusammenbruch des Unternehmen, das er seit 1986 geführt hatte. Enron war damals aus der Fusion der beiden Gas-Pipeline-Gesellschaften Houston Natural Gas und Internorth hervorgegangen.

Der Zusammenbruch des Energiekonzerns hat Kreise bis in die US-Regierung von Präsident George W. Bush gezogen. Regierungsangaben zufolge waren zwei Minister und ein Staatssekretär vor dem Kollaps des Unternehmens gewarnt worden. Lay hatte den Wahlkampf Bushs großzügig unterstützt. Wegen des Verdachts auf Insidergeschäfte hatte sich die Börsenaufsicht SEC in die größte Firmenpleite in der US-Geschichte eingeschaltet. (APA/Reuters)

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