Stammzellen auch ohne die Tötung von Embryonen?

23. Jänner 2002, 18:51
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Kölner Forscher stößt mit alternativem Ansatz auf Skepsis

Köln/München - Der Kölner Forscher Jürgen Hescheler will prüfen, ob embryonale Stammzellen auch ohne die Tötung von Embryonen gewonnen werden können. Dies könne eine Alternative zu den bisher eingesetzten Verfahren sein, schreibt Hescheler, Leiter des Instituts für Neurologie an der Universität zu Köln, im "Rheinischen Merkur" vom kommenden Freitag. Er möchte aus Mäuse-Embryonen im Reagenzglas mit hauchdünnen Pipetten einzelne Zellen entnehmen, ohne dass die Embryonen dabei zu Grunde gehen.

"Das ist ein intellektuelles Jonglieren", kommentierte der Stammzellforscher Wolfgang-Michael Franz von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität die Idee, diese Methode bei menschlichen Embryonen zu nutzen. Es handle sich erst um einen theoretischen Ansatz, und es sei keinesfalls sicher, dass der Embryo dabei nicht geschädigt werde. Zudem werde es sicherlich schwer, für diesen Zweck Frauen zu finden. "Denn für den Embryo und die Mutter ist kein therapeutischer Nutzen erkennbar", sagte Franz. "Ist es wirklich sinnvoll, diesen Ansatz zu wählen, wenn jetzt bereits schon zahlreiche überzählige Embryonen in der Bundesrepublik zur Verfügung stehen?"

Bereits seit einigen Jahren setzen Forscher neue Zellen in bestimmte Embryostadien (Blastozysten) von Mäusen ein, um Versuchstiere mit gewünschten genetischen Eigenschaften zu erhalten. Dazu durchstechen sie laut Hescheler die äußere Zellschicht des Keimlings mit einer hauchdünnen Glaspipette. "Ähnlich könnte nun auch die Entnahme von embryonalen Stammzellen aus der inneren Zellmasse der Blastozyste erfolgen", schreibt der Kölner Neurophysiologe. Ein Forschungsantrag zum Testen der Methode bei Mäusen sei bereits gestellt. An menschlichen Embryonen sei diese Methode noch nicht geprüft worden.(APA/dpa)

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