"Das sind extrem gefährliche Leute"

23. Jänner 2002, 19:15
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Botschafter Brown bittet um Verständnis für Umgang der USA mit El-Kaida- Gefangenen

Wien - Lyons "Lee" Brown, der neue US-Botschafter in Wien, hat am Montag in der Debatte um die Behandlung der Al-Qa'ida-Gefangenen in Guantanamo um Verständnis für die Vorgehensweise der USA gebeten. Bei einem Gespräch mit österreichischen Journalisten wies Brown darauf hin, dass sich sein Land in einer Lage befinde, die nur sehr schwer zu bewältigen sei.

"Das sind extrem gefährliche Leute, die keiner Rehabilitation zugänglich sind", meinte Brown. Man könne sie nicht einfach freilassen und riskieren, "dass sie uns noch einmal das antun, was sie uns schon einmal angetan haben." Die auf dem US-Militärstützpunkt Guantanamo inhaftierten Afghanistan-Kämpfer würden jedenfalls korrekt behandelt. Die USA hätten eine lange Geschichte der Bemühungen um die Menschenrechte vorzuweisen. Sie würden sich davor hüten, ihren Ruf auf diesem Gebiet zu beflecken. Brown, der vor seinem Umzug nach Wien selbst überwiegend in New York gelebt hat, schilderte noch einmal die traumatischen Auswirkungen der Attentate auf das WTC. "Monatelang, wieder und wieder und wieder wurden wir daran erinnert, jeden Tag gab es neue Trauerfeiern und neue Begräbnisse."

Brown bedankte sich nachdrücklich für die "Freundschaft und Unterstützung", die Österreich den USA nach den Terroranschlägen erwiesen habe. Zu den bilateralen Beziehungen meinte Brown, diese seien sehr gut, aber er werde sich bemühen, sie auf ein noch besseres Level anzuheben. Er freue sich, dass unter den Anbietern für die Draken-Nachfolge mit Lockheed Martin auch eine US-Firma - sie fertigt die F-16 - sei: Da gehe es nicht nur um ein Flugzeug, sondern "um die Zukunft" und "die Technologie", und die könne die US-Rüstungsindustrie in der weltbesten Qualität liefern.

Die Verhängung von Sanktionen der EU gegen Österreich habe man in den USA damals "überrascht" zur Kenntnis genommen, da die Regierung ja auf demokratischem Wege zustande gekommen sei. Dass Bundeskanzler Wolfgang Schüssel unter den wenigen Staatsgästen war, die US-Präsident George Bush nach dem 11. September empfing, wertete Brown als Zeichen dafür, dass das österreichisch-amerikanische Verhältnis gänzlich unbelastet sei. (win, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 24.1.2002)

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