Kopf des Tages: Michael Spreng - Stoibers Wahlkampfmanager

23. Jänner 2002, 19:34
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Ohne Stallgeruch mit Kontakt zum Gegner - Von Alexandra Föderl-Schmid

Als Michael Spreng im Oktober 2000 binnen drei Stunden seinen Schreibtisch als Chefredakteur räumen musste, gab es bei einigen Mitarbeitern der Bild am Sonntag Tränen. Spreng galt als sympathischer Chef und Zeitungsmacher alten Stils, der jede Seite persönlich abnahm.

Beim Springer-Verlag, bei dem er insgesamt 25 Jahre arbeitete, galt der Journalist als Liberaler. In mehreren Kommentaren setzte sich Spreng, der mit 22 Jahren sein CDU-Parteibuch zurückgegeben hat, kritisch mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) auseinander, womit der verheiratete Katholik im konservativ geprägten Verlag auffiel. Auch den Miteigentümer Leo Kirch attackierte er wiederholt öffentlich wegen dessen defizitärem Pay-TV Premiere.

Offiziell wurde der Boulevardjournalist aus wirtschaftlichen Gründen entlassen, obwohl in seiner elfjährigen Amtszeit die Auflage der Zeitung um zehn Prozentpunkte zulegte. Seither hatte der Zwei-Meter-Hüne viel Zeit, in seinem Haus auf Mallorca seine Bräune zu pflegen, da große Aufträge ausblieben.

Einer der wenigen Politiker, die ihn nach seiner überraschenden Entlassung anriefen, war der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Dass der nunmehrige Kanzlerkandidat der Union Spreng zu seinem Wahlkampfmanager macht, sorgte in deutschen Medienkreisen für beträchtliches Aufsehen. Spreng soll vor allem die Auftritte seines Schützlings in den Medien managen.

Spreng galt bisher als Freund des amtierenden Bundeskanzlers Gerhard Schröder. "Ich habe zwar keinen Stallgeruch, aber ich weiß, wie es in allen Ställen riecht", sagte dazu Spreng in seinem bekannt prägnanten Boulevardstil. Kurz nach der Präsentation von Stoibers Manager kursierte in Berlin bereits das Gerücht, dass der gebürtige Darmstädter sich auch bei Schröder um die Medienberatung beworben hat - allerdings abgewiesen wurde.

Wie schwer der Rollenwechsel vom Journalistenberuf ins Politikerfach ist, erfuhr Spreng gleich bei seinem ersten Auftritt vor der Berliner Presse. Die ehemaligen Kollegen deckten Spreng mit Fangfragen ein. Doch der selbstbewusste Medienprofi ließ sich nicht aufs Glatteis führen und verwies politische Fragen, wie jene nach den Differenzen zwischen CDU und CSU zur Steuerreform, an die Generalsekretäre der beiden Schwesterparteien.

In den kommenden Monaten wird Spreng häufig damit beschäftigt sein, zwischen CDU und CSU einen Konsens herzustellen. "Als Journalist kann man sich eigentlich nur zwischen den Stühlen wohl fühlen", lautet eines seiner Credos.

In seinem neuen Job in der Politik wird sich dieses Gefühl bei ihm wohl noch häufiger als bisher einstellen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 24.1.2002)

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