Gegen "Laiendarsteller" in der Gastronomie

23. Jänner 2002, 18:34
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Gewerkschaftskritik an Gastgewerbereform

Wien - "Skepsis" bezüglich des künftig erleichterten Zugangs zur Selbstständigkeit im Gastgewerbe äußerte am Mittwoch der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel-, Gastgewerbe, persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske, in einer ersten Reaktion. "Irgendwelche Akademiker" und "unbedarfte Laiendarsteller" hätten in aller Regel nichts mit dem Gastgewerbe zu tun. Hochschulabsolventen egal welcher Fachrichtung ohne einschlägige Berufspraxis, nur "weil einer zweimal im Kaffeehaus war", einen Gewerbeschein auszustellen, hält Kaske für den falschen Weg. Bisher erhielten nur Wirtschaftswissenschafter mit zweijähriger Berufspraxis eine entsprechenden Gewerbeberechtigung.

Auch dem Argument der Wirtschaftskammer beziehungsweise Tourismusstaatssekretärin Mares Rossmann, dass die touristische Lehre aufgewertet werde, weil auch hier die bisher nötige Berufspraxis entfallen soll, kann Kaske nicht folgen. "Bei aller Wertschätzung für die heute 18-Jährigen" mache dies höchstens bei Betriebsübergaben Sinn, wo die Jungwirte schon eingearbeitet seien.

Liberale Einstellung

Als "herzeigbare Einigung" und "bemerkenswert" bezeichnete hingegen VP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein die erzielte Lösung im Gastgewerbe. "Ich sehe eine verstärkte Bereitschaft der österreichischen Wirtschaft, einen vernünftigen Weg der Liberalisierung mitzugehen. Liberalisierung richtig gemacht, bedeutet letztlich auch im Tourismus mehr Qualität und Jobchancen."

Dass dieser Schritt bei den Ladenöffnungszeiten noch immer nicht gelungen sei, liege nicht an der Wirtschaftskammer oder ihm selbst, sagte Bartenstein auf Nachfrage. "Hier geht es um die Kompromissbereitschaft des Koalitionspartners", so der Minister.

Zweite Chance

Keinesfalls abgehen will Bartenstein von seinem Plan, im Zuge der Gewerbeordnungsnovelle gescheiterten Unternehmern künftig "eine zweite Chance" zu gewähren. Parallel zur Abschaffung des Delikts des fahrlässigen Krida im Strafrecht, sollen Unternehmer auch gewerberechtlich "entkriminalisiert" werden. Pleitiers sollen nach einem Konkurs wieder in der angestammten Branche einen Gewerbeschein bekommen, was bisher nicht erlaubt war.

Tourismusgewerkschafter Kaske übt scharfe Kritik an diesem Vorhaben Bartensteins. "Die neue Gewerbeordnung wird damit zu einem Dominospiel. In Zukunft kann jeder zehnmal in Konkurs gehen, wo jedes Mal Arbeitnehmer und später nach dem zu erwartenden Privatkonkurs auch noch die Steuerzahler zum Handkuss kommen." (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 24.1.2002)

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