"Unabhängigkeit des Wifo oberstes Ziel"

23. Jänner 2002, 18:40
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Präsident Leitl: "Schönfärberei macht keinen Sinn" - Reformen werden umgesetzt

Wien - "Die Wahrung der fachlichen Unabhängigkeit des Wifo bleibt oberstes Ziel. Sie steht auf keinen Fall zur Disposition." Beim Symposion zum 75-Jahr-Jubiläum des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts stellte Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer und auch Präsident des Instituts, den unabhängigen Status der größten heimischen Wirtschaftsforschungseinrichtung außer jeden Zweifel. Interessen-oder parteipolitischer Einfluss auf die Arbeiten und Veröffentlichungen des Instituts hätten hier nichts zu suchen, auch wenn die Erkenntnisse des Wifo manchmal unangenehm wären. "Schönfärberei macht keinen Sinn", sagte Leitl.

Ein Statement, dem sich auch Bundespräsident Thomas Klestil in seiner Grußadresse zum Symposion im Wiener Palais Ferstl anschloss: Immer wieder hätten verantwortliche Politiker mit den Aussagen des Wifo keine Freude. "Aber dieses Aussagen dienen langfristig sehr wohl der Qualität politischer Entscheidungen, weil das Institut seine Glaubwürdigkeit hochhält."

Evaluierungsstudie

Leitl verwies auch auf die im vergangenen Dezember veröffentlichte Evaluierungsstudie von drei international anerkannten Experten, die dem Wifo "gute Leistungen, internationale Anerkennung, Wettbewerbsfähigkeit und hohe Effizienz" bescheinigt habe. Der Prüfbericht habe aber auch Anregungen zu Verbesserungen gegeben, an denen schon gearbeitet werde. Dazu gehöre etwa eine stärkere Fokussierung auf Kompetenzbereiche und die Bildung von Clustern mit anderen Instituten, freilich bei Wahrung der Unabhängigkeit: "Das Konkurrenzprinzip gilt auch für Forschungsinstitute."

Eine wesentliche voraussetzung für Effizienzsteigerung sei aber auch die Gewährung einer Planungssicherheit durch Umstellung auf eine mittelfristige Finanzierung des Instituts.

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel würdigte das Wifo als "wichtiger Teil der österreichischen Geschichte". Das Institut habe in seinen bisherigen 75 Jahren mit nur fünf Leitern eine erstaunliche Kontinuität bewiesen. Dies kontrastiere auffällig mit der statistisch zweieinhalbjährigen Halbwertszeit von Regierungsmitgliedern. (jost)

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