"Tag ohne Arzt" in Frankreich

23. Jänner 2002, 17:49
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Zehntausende praktische Ärzte streikten in Frankreich

Paris - Mit dem Streik Zehntausender Allgemeinärzte hat die Protestwelle im französischen Gesundheitswesen am Mittwoch einen neuen Höhepunkt erreicht. Landesweit schlossen Mediziner ihre Praxen, um für eine Anhebung ihrer Honorare zu demonstrieren. Hunderte Ärzte wurden von den Behörden für die Aufrechterhaltung eines Notdienstes dienstverpflichtet. Die Opposition forderte den sozialistischen Premierminister Lionel Jospin auf, den Forderungen nachzukommen.

35-Stunden-Woche

Die Notaufnahmen der Krankenhäuser wurden mit dem erwarteten Ansturm an den "24 Stunden ohne Arzt" weitgehend fertig. Nach Angaben von Berufsverbänden beteiligten sich zwischen 70 und 90 Prozent der 55.000 praktische Ärzte an dem Streik. Zahlreiche Fachärzte schlossen sich an. Am Montag hatte es bereits Arbeitsniederlegungen in den Krankenhäusern gegeben, am Dienstag demonstrierten die freiberuflichen Krankenschwestern und Krankenpfleger. Seit Monaten gärt es in den öffentlichen Kliniken wegen der Einführung der 35-Stunden-Woche.

Honorarerhöhung

Die praktischen Ärzte verlangen von der Krankenversicherung CNAM eine Erhöhung ihres Honorars für eine Konsultation um 2,5 auf 20 Euro (275 S) und der Hausbesuche auf 30 Euro (413 S). Die Tarife sind seit Jahren nicht angehoben worden. Die Erfüllung der Forderungen würde die Sozialkassen etwa 1,4 Milliarden Euro (19,3 Mrd. S) kosten. Die Regierung hat 732 Millionen Euro (732 Mill. Euro/10,07 Mrd. S) für die nächsten drei Jahre angeboten.

Der Neogaullist Patrick Devedjian rief den Sozialisten Jospin dazu auf, mit dem Geld der Sozialversicherung nicht länger die 35-Stunden-Woche zu finanzieren, sondern die berechtigten Forderungen der Ärzte zu erfüllen. Der UDF-Politiker und frühere Gesundheitsminister Philippe Douste-Blazy kritisierte, seit fünf Jahren seien die Mediziner von der Regierung nicht einmal angehört werden. (APA/ag.)

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