Skandal in polnischer Notaufnahme

23. Jänner 2002, 15:17
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Krankenhauspersonal soll Patienten getötet und verkauft haben

Warschau/Lodz - Mitarbeiter einer Klinik im zentralpolnischen Lodz sollen nach einem Zeitungsbericht schwer kranke Patienten getötet und Leichen verkauft haben. Sanitäter und Ärzte einer Unfallstation hätten jahrelang von Bestattungsunternehmen Geld für die Leichen kassiert, berichtete die Zeitung "Gazeta Wyborcza" am Mittwoch. Die Lodzer Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre dies der größte Skandal im polnischen Gesundheitswesen.

Geschäfte mit dem Bestattungsinstituten

Dem Zeitungsbericht zufolge drängten die Helfer in der Notaufnahme die Angehörigen toter Patienten, einem bestimmten Unternehmen die Beerdigung zu übertragen. Die Bestattungsinstitute hätten dafür pro Leiche zwischen 1.200 und 1.800 Zloty (333 bis 500 Euro) gezahlt. Dabei sei es in dem seit zehn Jahren dauernden Leichenhandel aber nicht geblieben, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Aussteiger. Um zusätzliche Geschäfte zu machen, hätten die Ärzte schwer kranken Patienten tödliche Mittel verabreicht.

Exhumierungen

Die Staatsanwaltschaft in Lodz hatte bereits zuvor Hinweise auf Absprachen zwischen Klinikmitarbeitern und Bestattungsinstituten erhalten, war aber bisher nicht von einem derartigen Ausmaß ausgegangen, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf die Anklagebehörde. Nun wollen die Ermittler mit Hilfe von Exhumierungen klären, ob tatsächlich Patienten von ihren Ärzten umgebracht wurden.(APA)

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