FBI: Befragungen von El Kaida-Kämpfern verhinderten Anschläge

23. Jänner 2002, 16:02
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Einzelheiten wurden nicht genannt

Kandahar/Peking/Washington/Sanaa/Bischkek - Mit Informationen aus der Befragung gefangener El-Kaida-Kämpfer hat das FBI offenbar geplante Terroranschläge auf US-Einrichtungen in mehreren Ländern verhindern können. Beim Verhör der Gefangenen in Kandahar hätten die USA wertvolle Auskünfte erhalten, sagte FBI-Direktor Robert Mueller am Mittwoch in Kandahar. US-General Tommy Franks sagte in Bischkek, dass die USA keine ständige Militärpräsenz in Zentralasien planen. China hat Afghanistan bei einem Treffen der beiden Regierungschefs in Peking zusätzliche Hilfe für den Wiederaufbau zugesichert.

Anschlag auf US-Botschaft im Jemen

"Die Befragung von El-Kaida-Mitgliedern, die hier in Afghanistan inhaftiert wurden, und Schriftstücke haben weitere Angriffe gegen US-Einrichtungen in aller Welt verhindert", erklärte Mueller. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Seit November sind in Kandahar rund 400 Kämpfer der Organisation El Kaida und der Taliban gefangen gehalten worden. Nach einem Bericht der "Washington Post" hat ein gefangen genommenes Führungsmitglied der El Kaida Pläne über einen Anschlag auf die US-Botschaft im Jemen verraten. Unter Berufung auf US-Regierungskreise berichtete die Zeitung, die Aussagen des Gefangenen hätten dazu geführt, dass das konsularische Büro der Botschaft vergangene Woche geschlossen worden sei und die Sicherheitsmaßnahmen um das Gebäude verschärft worden seien.

Österreich drängt ebenso wie die anderen EU-Staaten auf eine Einhaltung völkerrechtlicher Mindeststandards bei der Internierung mutmaßlicher Terroristen durch die USA auf dem Militärstützpunkt Guantanamo. Dies gelte unabhängig davon, ob man ihnen den Status von Kriegsgefangenen zuerkenne, sagte der Leiter des Völkerrechtsbüros im Außenministeriums, Hans Winkler, am Mittwoch der APA. Die USA hatten internationale Vorwürfe gegen die Haftbedingungen der mutmaßlichen El Kaida-Anhänger entschieden zurückgewiesen.

Hausdurchsuchungen in Provinz Helmand

In der Provinz Helmand setzten afghanischen Angaben zufolge US-Elitesoldaten und einheimische Anti-Taliban-Einheiten mit Hausdurchsuchungen in vier Dörfern ihre Jagd nach dem geflohenen Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar fort. Weder Omar noch dessen Berater seien gefunden worden. Pakistan kündigte an, es wolle den USA und ihren Verbündeten den internationalen Flughafen von Karachi für Flüge von und nach Afghanistan zur Verfügung stellen.

US-Taliban in die USA geflogen

Der 20-jähriger amerikanische Taliban-Kämpfer John Walker Lindh wurde am Dienstag von Kandahar in die USA geflogen. Dort erwartet ihn ein Prozess wegen Verschwörung und Unterstützung des Terrorismus. Er soll in einem El Kaida-Stützpunkt ausgebildet worden sein und persönlich mit Osama bin Laden zusammengetroffen sein. Im November wurde er beim Fall der nordafghanischen Stadt Kundus festgenommen. Bei einem Schuldspruch droht ihm lebenslange Haft.

Keine ständige Militärpräsenz in Zentralasien geplant

Der Oberbefehlshaber des US-Einsatzes in Afghanistan, General Tommy Franks, sagte bei einem Besuch in Kirgisien, die USA planten keine ständige Militärpräsenz in Zentralasien. Derzeit ist eine beträchtliche Anzahl von amerikanischen Truppen in dem Gebiet stationiert. Um die amerikanische Präsenz in der Region ging es auch bei Gesprächen des afghanischen Ministerpräsidenten Hamid Karsai mit seinem chinesischen Amtskollegen Zhu Rongji in Peking. China hat Afghanistan zusätzliche Hilfe eim Wiederaufbau des kriegszerstörten Landes zugesagt. Nach dem Treffen unterzeichneten die Außenminister der beiden Länder ein Abkommen, das finanzielle Hilfen im Umfang von 4,6 Millionen Dollar (5,2 Mill. Euro) vorsieht. Bei der internationalen Geberkonferenz in Tokio hatte Peking 100 Millionen Dollar versprochen. (APA/AP/dpa/Reuters)

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