Der Ferrari ein "Baukasten-System"

23. Jänner 2002, 14:56
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Wer bastelt mit bei der Umrüstung des alten auf den neuen Renner aus Maranello? Das Baukasten-System macht Teile der beiden Modelle kompatibel

München - Mit einem technischen Novum will Michael Schumachers Ferrari-Team den Weg zur Titelverteidigung in der Formel-1-Weltmeisterschaft ebnen. Das neue Auto des vierfachen Champions soll einem Bericht der Fachzeitschrift "auto, motor und sport" vom Mittwoch zufolge nach einer Art "Baukasten-System" funktionieren. Die Hauptelemente des neuen und des alten Autos sollen total kompatibel sein. Dies erlaube gewagte technische Lösungen und lange Entwicklungszeiten, hieß es. Bisher hat noch kein Team in der Formel 1 nach so einem System gearbeitet.

Mit diesem Trick können die Italiener das Chassis des Jahres 2001 mit dem Motor und dem Getriebe der aktuellen Saison oder auch umgekehrt kombinieren. Somit ist Ferrari in der Entwicklung für die am 3. März in Melbourne beginnende Saison flexibel. Neue Elemente könnten so lange getestet werden, bis sie reibungslos funktionieren.

Keine neue Motor-Getriebe-Einheit

Entgegen früherer Spekulationen bringt Ferrari in dieser Saison doch keine neuartige Motor-Getriebe-Einheit mit einem gemeinsamen Gehäuse und auch keine Kraftübertragung mit zwei Kupplungen, wie von der Konkurrenz vermutet. Das neue Ferrari-Getriebe soll aber kleiner sein und schneller schalten als jene der anderen Teams. Die Scuderia stellt sein Auto der Öffentlichkeit als letztes Top-Team erst am 6. Februar vor.

Michael Schumacher ist überzeugt, dass auch die Reifen zum entscheidenden Faktor werden können. "In den Reifen sehen wir das größte Potenzial, und in diesem Bereich ist im Winter sehr viel gearbeitet worden", erklärte der Weltmeister auf seiner Homepage. Allerdings glaubt der 33-Jährige nicht, dass die technischen Fortschritte auf diesem Gebiet noch einmal so deutlich werden wie in den letzten beiden Jahren. Zuletzt sei die Entwicklung auf Grund der neuen Konkurrenz durch den Einstieg von Michelin sehr vorangetrieben worden.

Bruderzwist im Hause Schumacher?

Dass sich das Verhältnis zu seinem Bruder Ralf durch die Tatsache verschlechtern könnte, dass Williams-BMW in dieser Saison erstmals zum echten WM-Rivalen aufsteigen kann, befürchtet der Rheinländer nicht. "Wir wissen beide, dass es so kommen könnte, dass wir diesmal Rivalen um die WM sind", betonte Schumacher. Die sportliche Situation habe nichts mit der privaten zu tun. "Da ändert sich gar nichts."

Unterdessen ist der Rechtsstreit zwischen BMW und dem Telefonauskunfts-Anbieter telegate um den Ausstieg aus dem Formel-1-Sponsoring beendet. Das Unternehmen werde bis Ende Jänner 3,6 Millionen Euro (49,5 Mio. S) an den Autohersteller zahlen, der dafür seine Klage zurück ziehe, teilte die telegate AG am Mittwoch in München mit. Das Landgericht I hatte im Juni vergangenen Jahres entschieden, dass telegate statt der von BMW geforderten 18,7 Millionen Euro (257 Mio. S) für die gesamte Vertragslaufzeit anteilsmäßig nur 1,23 Millionen Euro (16,9 Mio. S) für die ersten eineinhalb Monate vergangenen Jahres zu zahlen habe. BMW hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt. (APA/dpa)

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