10 km Stau an italienischen Grenzübergängen

23. Jänner 2002, 17:26
posten

Protest der Frächterverbände - Internationales Alpen-Treffen über Transitpolitik gefordert

Rom - Zu erheblichen Verkehrsproblemen kam es am Mittwoch an den italienischen Grenzübergängen wegen eines fünfstündigen Protests der Lkw-Fahrer, die gegen die Alpen-Transitpolitik der römischen Regierung demonstrierten.

Die längsten Schlangen bildeten sich an der Schweizer und französischen Grenze, meldete das italienische Fernsehen. Die Frächter blockierten mit ihren Brummern den Schweizer Grenzübergang Brogeda bei Chiasso. Die Lkw, die in die Schweiz wollten, mussten auf einem großen Parkplatz außerhalb der Stadt Como parken. Der Protest führte zu Verkehrsproblemen in der Nähe der Grenze.

Am italo-französischen Grenzübergang Frejus kam es wegen des Protests der Frächter zu einem zehn Kilometer langen Stau. Einige Autofahrer, die über die Demonstration nicht informiert waren und in den Stau gerieten, protestierten heftig, konnten aber nur umkehren.

"Auf dem Spiel steht die Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Wirtschaft. Italien droht die Isolierung, wenn die Transitfragen nicht bewältigt werden. Die gravierenden Probleme im Alpen-Transitverkehr müssen mit einem neuen Mobilitätsplan bewältigt werden, der auf europäischer Ebene vereinbart werden muss", sagte der Präsident der Frächter, Luciano Petracchi.

Die Demonstranten beschuldigen die Regierung Berlusconi, beim EU-Gipfeltreffen in Laeken im Dezember in die Verlängerung des Ökopunkte-Systems eingewilligt zu haben, um dafür die österreichische Unterstützung im Kampf um die Ansiedlung einer europäischen Nahrungsmittelagentur in Parma zu erhalten. Italien hofft somit, den Konkurrenzkampf gegen Helsinki um die Gründung der neuen Lebensmittelbehörde mit Unterstützung der Nachbarländer zu gewinnen.

Die Transitprobleme beeinträchtigen die Konkurrenzfähigkeit italienischer Produkte in Europa, da die Transportkosten wegen der zunehmenden Hindernisse stets wachsen, klagten die Demonstranten. Laut den Spediteurenverbänden müsste Italien den Konsens zur Verlängerung des Ökopunkte-Systems zurücknehmen, den Regierungschef Silvio Berlusconi in Laeken gegeben hatte.

Die Forderungen der Lkw-Verbände wurden von den Umweltorganisationen heftig bestritten. Mehrere Mitglieder des Umweltschutzverbands "Legambiente" demonstrierten an der Schweizer Grenze gegen den Lkw-Transport. "Der Frächterverkehr hat enorme wirtschaftliche, soziale und ökologische Kosten. Daher muss man den Bahntransport stärker fördern. Die Lkw-Fahrer verteidigen ihre Interessen. Wir verteidigen die Interessen der gesamten Gesellschaft und der Umwelt", sagte ein Sprecher von "Legambiente". (APA)

Share if you care.