Arafat: Situation gerät außer Kontrolle

23. Jänner 2002, 14:44
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Palästinenserführung richtet Hilfsappell an China - Jiang Zemin soll Einfluss geltend machen, um Verschlimmerung der Situation zu verhindern

Ramallah/Peking - Der palästinensische Präsident Yasser Arafat hat vor der Gefahr gewarnt, dass die Situation im Nahen Osten gänzlich "außer Kontrolle gerät". Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, die aus einem Brief Arafats an Staats- und Parteichef Jiang Zemin zitiert, am Mittwoch meldete, richtete die Palästinenserführung einen Appell an China. Arafat, der am Vortag mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert hatte, bat auch die Führung in Peking, ihren Einfluss geltend zu machen, um eine Verschlimmerung der Situation zu verhindern.

Die israelischen Truppen seien zu weit gegangen, unterstrich Arafat. Die Lage verschlimmere sich zunehmend. Die palästinensische Seite werde sich dennoch an den vereinbarten Waffenstillstand halten, versicherte er. Die palästinensische Führung hat den israelischen Regierungschef Ariel Sharon beschuldigt, sein Land "in den Abgrund" zu führen. In einem am Dienstag von der Nachrichtenagentur WAFA verbreiteten Kommunique der palästinensischen Regierung und des PLO-Exekutivkomitees wurde die israelische Bevölkerung ausdrücklich gewarnt, dass Sharons militärische Option Israel "weder Sicherheit, noch Stabilität und Frieden" bringen werde. Der einzige Weg zu Sicherheit und Frieden führe über die Einhaltung und Umsetzung der internationalen Verträge.

China und Ägypten haben zu einem baldigen Ende der Gewalt im Nahen Osten aufgerufen. Bei einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak forderte Jiang am Mittwoch in Peking Israelis und Palästinenser auf, "wirksame Schritte für ein Ende der Gewalt zu ergreifen und sobald wie möglich mit den Vermittlungsbemühungen zusammenzuarbeiten". Das berichtete das chinesische Staatsfernsehen. Ein Kommentar der englischsprachigen Tageszeitung "China Daily" äußerte sich kritisch über die Militäraktionen der Israelis. Die Zerstörung des palästinensischen Radiosenders "Stimme Palästinas" sei ungeheuerlich und eine ernsthafte Eskalation des Konflikts. Solange die Devise "Auge um Auge" gelte, werde sich die Spirale der Gewalt weiter drehen und mehr unschuldige Opfer fordern. (APA/dpa)

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