Basel II wird für Tourismus zur Härteprobe

23. Jänner 2002, 13:19
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45 Prozent der Betriebe müssen mit Kreditverteuerung rechnen

Saalfelden - Die geplante Neuordnung der internationalen Eigenkapitalrichtlinien von den Banken - Basel II -, die für Betriebe mit schlechter Bonität eine Verteuerung der Kredite bringen wird, bereitet der überschuldeten Tourismuswirtschaft Kopfzerbrechen. 25 Prozent der Tourismusbetriebe würde wegen ihrer schlechten Eigenkapitalausstattung eine Verteuerung der Kredite nicht überleben, schätzt der Geschäftsführer der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT), Franz Hartl.

Vier- und Fünfsternhotels könnten derzeit im Schnitt eine Zinsverteuerung von 2 Prozentpunkten aushalten, Dreisternbetriebe von 1 Prozent, meint Hartl am Mittwoch auf dem Hotelierkongress der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Saalfelden, der noch bis morgen läuft. Die Top 25 Prozent der Tourismusbetriebe könnten sogar eine Verteuerung um 13 Prozentpunkte (gehobene Hotellerie) bzw. 9 Prozentpunkte (Dreisternhotellerie) verkraften. Bei jenen unteren 25 Prozent der Betriebe, die eine schlechte Bonität aufweisen, sei jedoch bereits heute kein Spielraum mehr drinnen, ist Hartl überzeugt.

Einnahmenentwicklung erfreulich

Die Tourismuswirtschaft habe 2000 und 2001 zwar wieder mehr investiert, die Einnahmenentwicklung sei wieder erfreulicher, Personal- und Wareneinsatzkosten seien gesenkt und die Entschuldungsdauer in den vergangenen Jahren verkürzt worden, erläuterte Hartl. Die schlechte Eigenkapitalquote sei aber noch immer der "Pferdefuß der Tourismuswirtschaft", hier bestehe großer Handlungsbedarf.

Fremdfinanzierungsquote extrem hoch

Die Tourismuswirtschaft weise eine extrem hohe Fremdfinanzierungsquote auf, betonte Hartl. Die Financiers der Hotellerie seien zu 89 Prozent die Banken, nur 3 Prozent kämen von Privatfinanciers. Die von der Tourismuswirtschaft vielfach als positives Asset ins Rennen geführten Stillen Reserven könnten nur in guten Zeiten eine negatige Eigenkapitalquote ausgleichen, warnt Hartl. In wirtschaftlich schlechten Zeiten hingegen würden Stille Reserven ebenfalls eine Belastung darstellen.

Für die Tourismuswirtschaft wäre bei Basel II eine Kredituntergrenze notwendig, für die Basel II nicht angewendet würde, bemerkte Einicher. Außerdem dürfe es keinen Risikoaufschlag für Langfristfinanzierungen geben. Dingliche Sicherheiten wie Hypotheken müssten bei der Kreditvergabe von den Banken anerkannt werden, forderte Einicher. Das Risiko könnte auch durch Bürgschaftseinrichtungen auf Bundes- oder Landesebene wie die ÖHT, die FGG oder Landesgarantieeinrichtungen gesenkt und Kredite dadurch verbilligt werden, stellte Einicher fest. (APA)

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