Nun auch Einigung im Tourismus

24. Jänner 2002, 12:19
14 Postings

Keine Totalliberalisierung, aber Zugang zum Gastgewerbe wird erleichtert - Praxisjahre entfallen

Saalfelden - Angehende Wirte sollen es in Österreich künftig leichter haben, ein Lokal aufzusperren und zu führen. Wer sich selbstständig machen will, wird zwar weiterhin eine entsprechende Lehr- oder Schulausbildung vorweisen müssen, die bisher notwendigen zwei Praxisjahre aber entfallen. Darauf haben sich Tourismusstaatssekretärin Mares Rossmann und der oberste Touristiker der Wirtschaftskammer Österreich, Johann Schenner, geeinigt. Akademiker - egal welcher Fachrichtung - sollen ebenfalls ohne Praxisnachweis ein Lokal eröffnen dürfen.

"Augenmaß" bewahrt

Rossmann war ursprünglich für eine Totalliberalisierung im Tourismus eingetreten, was von der Wirtschaftskammer aber unter Hinweis auf mögliche Qualitätsverluste abgelehnt wurde. "Der jetzt erzielte Kompromiss ist eine Lösung mit Augenmaß", sagte Michael Raffling, Geschäftsführer der Bundessparte Tourismus in der Wirtschaftskammer, am Rande des diesjährigen Hotelierkongresses in Saalfelden dem STANDARD.

Derzeit befinden sich österreichweit rund 24.000 Personen in entsprechender Ausbildung, davon rund 8000 in diversen Fachschulen. Für Quereinsteiger, die weder eine Lehre noch eine entsprechende Schule besucht haben, seien weiterhin Befähigungsprüfungen vorgesehen. Das betreffe rund 500 bis 600 Personen im Jahr, sagte Raffling.

Auch im Bereich der Nebenrechte seien Fortschritte erzielt worden, die aber im Detail noch zu fixieren seien. So soll es dem Handel künftig möglich sein, nicht nur Gebinde zu verkaufen, sondern auch Getränke auszuschenken und Speisen zu servieren.

Milch, Brot, Kleidung

Im Gegenzug sollen in der Gastronomie auch Milch, Brot, aber auch Kleider und andere Waren verkauft werden können, ausgenommen chemische Stoffe und Exklusivmaterialien. Ein entsprechender Verordnungsentwurf soll demnächst in Begutachtung gehen und noch vor der Sommerpause das Parlament passieren. Die reformierte Gewerbeordnung könnte zu Jahresmitte in Kraft treten.

Große Sorgen bereiten den Hoteliers die Aussicht auf zum Teil deutlich teurere Kredite seitens der Banken, die sich auf das so genannte Basel-II-Regelwerk umzustellen beginnen. Einige Großbanken würden in der kommenden Woche beginnen, ihre Geschäftsbedingungen zu ändern, hieß es beim Hotelierkongress. Die im Basler-Ausschuss diskutierten Bestimmungen, die Kredit-Risikozuschläge für Firmen mit schlechter Bonität vorsehen, würden Tourismusbetriebe schwer treffen. Diese sind traditionell eigenkapitalschwach und weitgehend kreditfinanziert. In der Branche befürchtet man eine Pleitenlawine. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe 24.1.2002)

Share if you care.