Kältewelle: Hunderte Tote in Europa

23. Jänner 2002, 10:09
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Meist spielte Alkohol eine tragische Rolle

Hamburg - Der strenge, eisige Winter hat hunderte Menschen in Europa das Leben gekostet. Besonders hart traf es die Bewohner Polens und Russlands, wo zum Teil über Wochen Frosttemperaturen herrschten. Aber auch in West- und Mitteleuropa und sogar im Süden des Kontinents waren Kälteopfer zu beklagen.

Allein in der russischen Hauptstadt Moskau stieg die Zahl der Kältetoten bisher auf über 300 und hat damit bereits jetzt die Marke des vergangenen Winters überschritten, wo bis zum Einsetzen des Tauwetters Ende März 205 Menschen ums Leben kamen. Zeitweilig erreichten die Temperaturen dort bis zu minus 30 Grad.

Den härtesten Winter seit Jahren mussten die Menschen in Polen verkraften, auch wenn sich die Situation seit Mitte Jänner entspannt: 273 Erfrorene registrierten die Behörden bisher - ein trauriger Rekord, denn seit Mitte Oktober sind damit bereits mehr als doppelt so viele Menschen erfroren wie im gesamten Vorjahreswinter. Dabei spielte Alkohol meist eine tragische Rolle.

Die Mehrzahl der Opfer im Alter von 17 bis 91 Jahren war unter Alkoholeinfluss bei Minustemperaturen eingeschlafen oder ins Straucheln geraten. Ein Viertel der Opfer waren Obdachlose. Bei tagelangen Schneefällen und Temperaturen von minus 20 Grad reichten wie in den Vorjahren vor allem in den Großstädten die Plätze in den Notunterkünften nicht aus.

Auch in Frankreich gehörten Obdachlose zu den wenigen Kälteopfern dieses Winters, die nicht zahlenmäßig erfasst wurden. Ungewöhnlich kalte Temperaturen waren auch in Ungarn für mindestens 77 Todesfälle verantwortlich. In Italien und Tschechien wurden je zehn Kältetote gezählt, in der Schweiz erfroren zwei Menschen ebenso wie in der spanischen Mittelmeerstadt Valencia. Die Türkei registrierte fünf Kältetote. In Griechenland waren trotz der ungewöhnlichen Schneekatastrophe zum Jahreswechsel keine Erfrierungsopfer zu beklagen.

Trotz Notunterkünften und Hilfsangeboten in den meisten größeren Städten erfrieren auch in Deutschland in jedem Winter einige Menschen. In Sachsen-Anhalt war Anfang Januar ein 44-Jähriger Obdachloser erfroren in einem leer stehenden Haus gefunden worden. Ein volltrunkener Mann wurde leblos an einer Tankstelle gefunden, Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Ein etwa 30-jähriger Mann starb in einem Windrad in Sachsen, wo er vermutlich Schutz vor der Kälte suchte. Einem Radfahrer wurde in Brandenburg sein Sturz vom Fahrrad zum Verhängnis - verletzt auf dem Weg liegend erfror er.(APA/dpa)

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