Täglicher Kampf mit Kleinst-Münzen

23. Jänner 2002, 13:45
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Handel erwartet Note statt Münze und zügige Reform - auch Italien drängt auf Abschaffung

Wien/Rom - 92 Prozent der großen Handelsunternehmen in Österreich sind mit der derzeitigen Stückelung des Euro nicht zufrieden, geht aus einer aktuellen Umfrage des Handelsverbandes hervor, in dem die Supermarktketten, Kaufhäuser und Filialunternehmen organisiert sind. 82 Prozent der befragten Unternehmen fordern die Einführung einer 1- oder 2-Euro-Banknote nach dem Vorbild des US-Dollar. 75 Prozent fordern, dass auf die kleinen 1- und 2-Cent-Münzen verzichtet wird. 18 Prozent der Handelsketten könnten sich auch eine Abschaffung von 2 und 20-Cent oder 2 Euro-Münzen als Verbesserung vorstellen.

Grundsätzlich ziehen die Handelsunternehmen eine positive Zwischenbilanz der Euroeinführung. 97 Prozent der Zahlungen werden laut dieser Umfrage bereits in Euro abgewickelt. Überraschend gering sei jedoch die Zuwachsrate bei elektronischen Zahlungen ausgefallen: Laut Umfrage meldeten 45 Prozent eine Plus von 3 bis 5 Prozent und nur 10 Prozent eine deutliche Zunahme von mehr als 10 Prozent.

Euro-Cent-Münzen treiben Aufwand in Höhe

Bewahrheitet hätten sich dagegen die Befürchtung, dass die acht verschiedenen Euro-Münzen zum täglichen Kampf werden. Diese Stückelung treibe einerseits die Kosten und den Aufwand der Geldlogistik in den Geschäften in die Höhe, andererseits werde jeder Zahlungsvorgang für Kassenpersonal und Kunden zur Geduldprobe, weil nicht selten bis zu 7 verschiedene Münzen gesucht werden müssten.

Der Handelsverband fordert nun eine Korrektur auf europäischer Ebene und hat dem Finanzminister ein entsprechendes Memorandum übermittelt. Sollte dies nicht gelingen trete man dafür ein, dem finnischen Beispiel zu folgen und in Österreich in absehbarer Zeit auf die 1- und 2-Cent Münzen zu verzichten. Die Kontakte mit den Interessensvertretungen des Handels in anderen Ländern der Euro-Zone, ließen aber den Schluss zu, dass der Wunsch nach einer zügigen Reform überall vorhanden sei, so der Handelsverband.

In Italien drängen Konsumentenverbände

Auch Italien drängt auf die Abschaffung der kleinen Euro-Münzen, die die Geldbeutel der Europäer belasten. "Die Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen wäre bestimmt eine populäre Maßnahme, über die wir nachdenken", betonte Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, der mit seinen europäischen Kollegen darüber diskutieren will. Im Gegensatz zu Finnland, das bereits die kleinen Euro-Münzen verbannt hat, will Italien aber keine unilateralen Maßnahmen ergreifen, sondern im Einklang mit den anderen Partnern des Euro-Raums voranschreiten. "Italien ist ein großes Land und die Abschaffung der kleinen Cents hätte größere Folgen für den gesamten Euro-Raum", sagte Tremonti Medienberichten vom Mittwoch zufolge. (APA)

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