Browserkrieg geht weiter: AOL/Netscape verklagt Microsoft

23. Jänner 2002, 12:48
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Schadensersatz und "Gerechtigkeit" werden gefordert

Der Medienkonzern AOL Time Warner hat den Softwareriesen Microsoft im Streit um den einst marktführenden Internet-Browser Netscape auf Schadenersatz verklagt. In der am Dienstag bei einem Bezirksgericht im US-Bundesstaat Columbia eingereichten Klageschrift wirft AOL dem weltgrößten Softwareproduzenten vor, den Browser der 1999 von AOL gekauften Firma Netscape mit unfairen Mitteln verdrängt und dabei gegen das Kartellgesetz verstoßen zu haben. AOL stützt sich auf Urteile in einem vom US-Justizministerium und mehreren Bundesstaaten angestrengten Kartellverfahren, in dem Microsoft bereits im vergangenen Jahr wettbewerbswidriges Verhalten bescheinigt worden war.

Schadenersatz und Gerechtigkeit

In seiner Klage verlangt AOL, Microsoft für die Zukunft wettbewerbswidriges Verhalten zu untersagen. Außerdem will AOL für entgangene Umsätze im Geschäft mit Browser-Lizenzen und verlorene Marktanteile Schadenersatz in einer vom Gericht zu bestimmenden Höhe. AOL-Vizepräsident John Buckley sagte: "Diese Aktion ist ein Versuch, Gerechtigkeit in die Sache zu bringen."
Die Kurs der Microsoft Aktie fiel nach Bekanntwerden der Klage in einem schwächeren Marktumfeld um knapp 2,5 Prozent, die Papiere von AOL verbilligten sich um fast vier Prozent.

Monopol

Im dem seit Jahren andauernden Browser-Streit geht es im Kern darum, dass Microsoft seinen "Internet Explorer" in die verschiedenen Versionen seines Betriebssystem Windows weitestgehend integriert hat. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, auf diese Weise sein Monopol in diesem Markt gefestigt und den Internet-Browser von Netscape verdrängt zu haben. So hatte das Justizministerium in dem Verfahren argumentiert, Microsoft habe befürchtet, dass sich die Software von Netscape zu einer kompletten Computerplattform entwickeln und damit zur Gefahr für Windows werden könnte.

Klage ist logische Folge

AOL-Rechtsberater Randall J. Boe nannte die Klage des Medienunternehmens eine logische Folge aus Ergebnissen, die das Kartellverfahren gegen Microsoft bereits erbrachte. Ein Sprecher von Microsoft sagte, das Unternehmen habe die Klage noch nicht geprüft und könne deshalb zu Einzelheiten keine Stellung nehmen. Er fügte jedoch hinzu: "AOL hat Netscape für zehn Milliarden Dollar gekauft, nun will AOL Microsoft die Schuld für Netscapes und AOLs Missmanagement zuschieben."

Neues im März

Im dem bereits laufenden Kartellverfahren haben das Justizministerium und neun Bundesstaaten einem Vergleich mit Microsoft zugestimmt. Neun weitere Staaten wollen jedoch harte Strafen gegen den Softwarehersteller durchsetzen. Sie wollen darüber hinaus erreichen, dass Microsoft ein schlankeres und billigeres Windows auf den Markt bringt. Dies solle Konkurrenten auch erlauben, eigene Versionen des Internet Explorers zu vermarkten. Die Vorschläge der neun Bundesstaaten sind Gegenstand einer Anhörung, die ein US-Bezirksrichterin im März angesetzt hat. (apa/reuters)

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