Grauer Falke, grüne Seele, rot-weißes Herz

22. Jänner 2002, 20:10
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Hans Krankl ist in schlechte Gesellschaft geraten. Der am Montag neu bestimmte ÖFB-Teamchef hätte als Spieler mit den meisten der aktuellen Teamkicker wohl nicht in einer Mannschaft stehen wollen. Sein Vorgänger Otto Baric musste zur Kenntnis nehmen, dass die Zusammenstellung einer Fußballnationalmannschaft, die nur aus Österreichern besteht, sich in der Praxis als schwieriger erweist, als nur darüber zu schwafeln. Krankl hat in etlichen Stationen als Trainer erfahren müssen, dass der Weg zum Trainersessel in Barcelona sich endlos ziehen kann und auch die lebhafteste Sehnsucht danach nur wenig hilft. Auch wenn er dort Spaniens Torschützenkönig und Europacupsieger wurde, auch wenn er den Goldenen Schuh überreicht bekam und 1978 in Cordoba den Deutschen zwei Tore (das dritte zum 3:2 erzielte freundlicherweise Berti Vogts selbst) reinmachte.

Verklärung

Aus diesen heute verklärten Tagen speist sich Krankls Ruf. Der von den Fans zum "Jahrhundertrapidler" gekürte Exmittelstürmer war viermal Torschützenkönig Österreichs, eroberte mit seiner Rapid zwei Meistertitel und fünf Cupsiege. Sein Weg als Trainer ist übersät mit Dornen; er begann bei Rapid, als sein väterlicher Freund und Berater, der Frank-Stronach-Intimus Skender Fani die Geschäfte führte, und coachte die Mannschaft nach unten: Dritter, Vierter und Fünfter.

Er wechselte zum Zweitligisten Mödling, schaffte den Aufstieg und den sechsten Platz, beim FC Tirol den fünften Rang, dann wieder Mödling, Gerasdorf, Salzburg. Den einzigen Auslandsjob beim Zweitligisten Fortuna Köln beendete er vorzeitig, Köln stand auf einem Abstiegsplatz und stieg dann auch ab. Die Admira, wo er seinen bisher letzten Job hatte, ist aktueller Letzter der max.Liga.

Zu groß für Österreich

Krankl ist ein talentierter Wiener, er verfügt über einen geschmeidigen einschlägigen Schmäh und eine unstillbare Sehnsucht nach dem großen, in der Weltsprache des Soul und Blues formulierten Gefühl. Krankls Charisma überschreitet die provinziellen Grenzen des heimischen Fußballgeschäfts - das macht ihn gegen Erfolge und Misserfolge irgendwie immun. Er spaltet freilich auch die Fußballanhänger in zwei Lager, jenseits der Wiener Grenzen halten die Krankl-Ablehner eine komfortable Mehrheit.

Krankl, überzeugter Ehemann und Vater von Sandra, Johann und Maria, lebt in einer hermetisch abgesteckten Welt, sie besteht aus Fußball, Fußball, Fußball, Familie und einer kleinen Freundesschar, die ein gemeinsames Interesse verbindet: Hans Krankl. Und in seiner von fanatischer Liebe zu Lederkugel und Ostbahn-Rock geprägten Lebensweise kennt er nur eine Richtung: den Weg, den der Ball nimmt. Jetzt muss er erstmals zeigen, wo's langgeht. Selber machen reicht nicht mehr. (Johann Skocek)

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