Sucht durch Umwelt

22. Jänner 2002, 19:54
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Bei Affen entscheidet Rang über Drogenabhängigkeit

Winston-Salem - Der soziale Rang in einer Gruppe kann die Chemie des Gehirns so beeinflussen, dass manche Mitglieder drogenabhängig werden und andere nicht. So ist es zumindest bei Makaken-Affen, mit denen an der Wake Forest University, Winston-Salem, experimentiert wurde: Tiere mit niederem Rang wurden anfälliger für Drogen.

Und zwar durch den Einfluss der Umwelt. Der Rang war nicht von vornherein festgelegt, die Affen wurden zunächst isoliert gehalten und dann in Gruppen zusammengebracht. Die Rangfolge war rasch ausgekämpft, das Verhalten differenzierte sich aus: Dominante Tiere wurden aggressiv und forderten Zuwendung, untergeordnete blieben vereinsamt wie zuvor.

Aber nicht nur das allgemeine Verhalten nahm verschiedene Wege, auch im Umgang mit Drogen zeigten sich Unterschiede. Der Versuch war so angelegt, dass die Tiere - auf Knopfdruck über einen Katheter - sich selbst Kokain spritzen konnten, wahlweise auch Salzlösung. Die Tiere mit niederem Rang machten häufig und in steigenden Dosen Gebrauch von Kokain, die mit höherem nahmen zwar ab und zu auch eine Spritze, wurden aber nicht abhängig.

Den physiologischen Hintergrund fand man mit bildgebenden Verfahren, die die Gehirnaktivität überwachten. In der isolierten Haltung zeigten alle Tiere dieselben Muster, in der Gruppe behielten die rangniederen diese auch bei. Aber bei den ranghohen zeigte sich eine erhöhte Zahl und/ oder Aktivität der Rezeptoren für Dopamin, jenen Botenstoff, dessen Konzentration durch Drogen wie Kokain erhöht wird. Offenbar konnten die Privilegierten in ihrer entspannten Situation das vom Gehirn selbst produzierte Dopamin durch die erhöhte Rezeptorensensibilität auch besser nutzen.

Wie weit diese Befunde auf Menschen umlegbar sind, ist unklar. Klar zumindest für die Affen ist aber, dass erst die Umwelt manche zu den Drogen getrieben und andere durch Veränderung des Gehirns davor bewahrt hat. (Nature Neuroscience, jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.01.2002)

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