Gedächtnis-T- Lymphozyten für Immuntherapie

23. Jänner 2002, 11:54
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Wiener Hautspezialist ausgezeichnet - Erstmals Züchtung von T-Lymphozyten in unbegrenzter Menge

Wien - Möglicherweise wichtige "Werkzeuge" für eine Immuntherapie mit Hilfe von Zellen der körpereigenen Abwehr: Gedächtnis-T-Lymphozyten, die sich an ein bestimmtes "Training" erinnern können. Für Arbeiten auf diesem Gebiet wurde jetzt Univ. Prof. Dr. Wolfgang Weninger von der Hautklinik im AKH in Wien mit dem Dermatologenpreis 2001 von Unilever ausgezeichnet.

Der Experte wurde für eine Studie über das unterschiedliche Wanderungsverhalten von verschiedenen T-Lymphozyten geehrt. Aus den Resultaten seiner Arbeit können - so eine Aussendung - wichtige Schlüsse für die Immuntherapie von Krebs, Autoimmun- und chronischen Infektionskrankheiten gezogen werden: Es wurde gezeigt, dass sich Gedächtnis T-Lymphozyten besser für solche Immuntherapien eignen, in denen ein langes Überleben von transferierten T-Lymphozyten wünschenswert ist.

Zwei Phasen

Vereinfacht dargestellt funktioniert das Immunsystem in zwei Phasen: In einer ersten Phase - der Effektor-Phase - werden eindringende Krankheitserreger erkannt und eliminiert. In einer zweiten, der so genannten Gedächtnis-Phase, werden die Daten des eingedrungenen Krankheitserregers gespeichert, was in Zukunft eine noch raschere Abwehr ermöglicht. Um das Immunsystem in seiner Komplexität zu begreifen, ist es wichtig zu verstehen, wie sich dessen ausführende Zellen - die Effektor- und Gedächtnis T-Lymphozyten - entwickeln und wie sie sich Zugang in die verschiedenen Organe verschaffen.

Ein Kernpunkt in den Arbeiten des Dermatologen: Weninger ist es erstmals gelungen, Gedächtnis T-Lymphozyten in der Zellkultur in unlimitierter Zahl zu züchten. Dadurch wurden detaillierte Studien zum Wanderungsverhalten dieser Zellen möglich, welche bisher nur schwer durchführbar waren. Ziel der prämierten Arbeit war, das Wanderungsverhalten und die Funktion der gezüchteten Gedächtnis-T-Lymphozyten mit Effektor-T-Lymphozyten im Organismus zu vergleichen. Es konnte gezeigt werden, dass sich Gedächtnis- nicht aber Effektor-T-Lymphozyten in Lymphorganen anreichern, wo sie lange Zeit überleben können.

Unilever leistet mit dem jährlich ausgeschriebenen Preis einen wesentlichen Beitrag zur Forschung auf dem Gebiet der Dermatologie. Die mit 5.087,- Euro dotierte Auszeichnung wird jedes Jahr an herausragende medizinische Arbeiten vergeben. Da sich Weninger derzeit an der Harvard Universität in den USA aufhält, wurde der Preis stellvertretend von Univ.-Prof. Dr. Erwin Tschachler von der Universitäts-Hautklinik in Wien entgegengenommen. (APA)

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